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Buddenbrooks
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Buddenbrooks: Verfall einer Familie (1901) ist das frĂźheste unter den groĂen Werken Thomas Manns und gilt heute als der erste Gesellschaftsroman in deutscher Sprache von Weltgeltung.cite-ref-1[1] Er erzählt vom allmählichen, sich Ăźber vier Generationen hinziehenden Niedergang einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie und illustriert die gesellschaftliche Rolle und Selbstwahrnehmung des hanseatischen GroĂbĂźrgertums zwischen 1835 und 1877. Thomas Mann erhielt 1929 fĂźr Buddenbrooks den Nobelpreis fĂźr Literatur.
Die Grundlage des Romans war Thomas Manns eigene Familiengeschichte, Schauplatz des Geschehens ist seine Heimatstadt Lßbeck. Ohne dass der Name der Stadt ausdrßcklich erwähnt wird, sind viele Nebenfiguren nachweislich literarische Porträts von Lßbecker PersÜnlichkeiten jener Zeit. Thomas Mann wird in der Figur des Hanno Buddenbrook selbst Teil der Handlung.
Contents
⢠Entstehung
⢠Inhalt
⢠Erster Teil
⢠Zweiter Teil
⢠Dritter Teil
⢠Vierter Teil
⢠Fßnfter Teil
⢠Sechster Teil
⢠Siebter Teil
⢠Achter Teil
⢠Neunter Teil
⢠Zehnter Teil
⢠Elfter Teil
⢠Zum Stil
⢠Montagetechnik
⢠Familie KrÜger
⢠Bendix Grßnlich
⢠Alois Permaneder
⢠Kai Graf MÜlln
⢠Ida Jungmann
⢠Anna (Iwersen)
⢠Edmund Pfßhl
⢠Sigismund Gosch
⢠Hugo Weinschenk
⢠Verfall
⢠Das Leben
⢠Musik
⢠Hände
⢠Lßbeck
⢠Das Schulsystem
⢠Rezeption
⢠Theater
⢠Literatur
⢠HÜrbuch
⢠Filme
⢠HÜrspiel
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Entstehungs- und Wirkungsgeschichte
Entstehung
Ein Band mit Novellen Manns war 1898 im S. Fischer Verlag unter dem Titel Der kleine Herr Friedemann erschienen. Der Verleger Samuel Fischer hatte das Talent des jungen Autors erkannt und ermutigte ihn in einem Brief vom 29. Mai 1897, einen Roman zu schreiben: âIch wĂźrde mich aber freuen, wenn Sie mir Gelegenheit geben wĂźrden, ein grĂśĂeres Prosawerk von Ihnen zu verĂśffentlichen, vielleicht einen Roman, wenn er auch nicht so lang ist.â
Buddenbrooks entstand in der Zeit von Oktober 1896 bis zum 18. Juli 1900. Mann erwähnt den Roman erstmals in einem Brief an einen Freund, Otto Grautoff, vom 20. August 1897. Vorausgegangen war Ende Mai 1895, ebenfalls in einem Brief an Grautoff, die Erwähnung eines Familienromans in einer autobiografischen Skizze.cite-ref-2[2] Im Lebensabrià (1930) beschreibt Thomas Mann den Beginn der Arbeiten während seines Aufenthalts in Palestrina.cite-ref-3[3] Während dieses Italien-Aufenthalts 1896/1897 las Mann viele Romane und Erzählungen skandinavischer, russischer, franzÜsischer Autoren und immer wieder Nietzsche, Storm und Fontane.cite-ref-4[4] Im Verlauf der nächsten Jahre wuchs der Roman zu seinem heute bekannten Umfang an. Am 18. Juli 1900 schloss Thomas Mann das Manuskript ab und schickte es am 13. August 1900 an Samuel Fischer. Der Verleger bat den Autor zunächst, das Manuskript um die Hälfte zu kßrzen, was dieser jedoch ablehnte. Der Roman erschien daher ungekßrzt.
Das originale Manuskript wurde nach Thomas Manns Emigration bei dem Mßnchner Rechtsanwalt Valentin Heins deponiert und dort während des Zweiten Weltkriegs bei einem Bombenangriff zerstÜrt.cite-ref-5[5] Erhalten sind umfangreiche Vorarbeiten und Notizen, aus denen die Entstehungsgeschichte des Romans hervorgeht.
Editionsgeschichte
Das Werk wurde am 26. Februar 1901cite-ref-6[6] verÜffentlicht, zweibändig, in einer Auflage von 1.000 Exemplaren. Der Verkauf war schleppend. Der Preis von zwÜlf Mark (geheftet) und 14 Mark (gebunden, Abb.re.) entspricht einem heutigen Gegenwert von 100 und 116 Euro und behinderte wahrscheinlich den Absatz. Erst die einbändige zweite Auflage von 1903 mit der Einbandgestaltung von Wilhelm Schulz und einer HÜhe von 2.000 Exemplaren, gebunden fßr sechs Mark, geheftet fßr fßnf Mark, leitete eine Serie von Neuauflagen ein und brachte den Erfolg. 1918 waren 100.000 Exemplare verkauft. 1924 erschien in den Vereinigten Staaten eine Ausgabe in englischer Sprache, ßbersetzt von Helen Tracy Lowe-Porter. Nachdem Thomas Mann am 12. November 1929 fßr Buddenbrooks den Nobelpreis fßr Literatur erhalten hatte, erschien im Dezember 1930 eine Auflage von einer Million Exemplaren zu einem herabgesetzten Preis, die sogenannte Volksausgabe fßr nur 2,85 Reichsmark.
Mit dem Erscheinen preiswerter Taschenbuchausgaben nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Gesamtauflage deutlich. Bis 1975 wurden vier Millionen Exemplare in deutscher Sprache verkauft.cite-ref-7[7] 2002 erschien eine neu edierte Ausgabe der Buddenbrooks mit Kommentarband im Rahmen der âGroĂen kommentierten Frankfurter Ausgabe der Werkeâ Thomas Manns. 2005 sorgte die aus Anlass von Thomas Manns 50. Todestag ausgestrahlte TV-Film-Serie Die Manns â Ein Jahrhundertroman von Heinrich Breloer fĂźr ein neu erwachtes Interesse an den Buddenbrooks. Die deutschen Ausgaben des Romans erreichten bis 2010 eine Verbreitung von Ăźber neun Millionen Exemplaren.cite-ref-8[8] Bis zum Jahr 2000 war Buddenbrooks in 38 Sprachen Ăźbersetzt, zuletzt ins Isländische.cite-ref-9[9]
Reaktionen in LĂźbeck
In LĂźbeck wurde der Roman zunächst als SchlĂźsselroman aufgenommen. In der Stadt kursierten zwei EntschlĂźsselungslisten, die von einer Buchhandlung an ihre Kunden verliehen wurden. Viele der Personen, die sich porträtiert sahen, waren entrĂźstet. Man verglich den Verfasser mit dem Skandalschriftsteller Fritz Oswald Bilse. Thomas Mann versuchte, der EmpĂśrung mit dem Essay Bilse und Ich (1906) zu begegnen. Dort verteidigt er das Recht des Schriftstellers, die Realität als dichterische Vorlage zu verwenden: âFragt nicht immer, wer soll das sein. [âŚ] Sagt nicht immer, das bin ich, das ist jener. Es sind nur ĂuĂerungen des KĂźnstlers gelegentlich Eurer. StĂśrt nicht mit Klatsch und Schmähungen seine Freiheit.âcite-ref-10[10]
Inhalt
Der Roman ist in elf Teile gegliedert, die jeweils eine unterschiedliche Zahl von Kapiteln enthalten.
Erster Teil
An einem Donnerstag im Oktober 1835 haben Buddenbrooks ihre FamilienangehĂśrigen, Bekannte und Geschäftsfreunde âauf ein ganz einfaches Mittagsbrotâ in ihr neues Haus gebeten, nach groĂbĂźrgerlicher Sitte fĂźr den späten Nachmittag. Das neue Heim, als Gebäude und Anwesen gleichermaĂen weitläufig, war erst kĂźrzlich von der in Konkurs gegangenen Familie Ratenkamp fĂźr 100.000 Kurantmark erworben worden. Die Errichtung des repräsentativen Hauses, in der LĂźbecker MengstraĂe gelegen, geht auf das Jahr 1682 zurĂźck.
Im ErĂśffnungsteil werden dem Leser drei Generationen der Familie Buddenbrook vorgestellt: Das energische Familienoberhaupt Johann Buddenbrook d. Ă. und dessen Gattin Antoinette; ihrer beider Sohn Johann Buddenbrook d. J. (genannt Jean) nebst Gattin Elisabeth (Bethsy), dazu die Kinder der beiden, die achtjährige Antonie (Tony), der neunjährige Thomas und der siebenjährige Christian. Auch die Gäste sind Teil des kĂźnftigen Romanpersonals.
Johann Buddenbrook d. Ă. ist Inhaber der GetreidegroĂhandlung Buddenbrook, die er von seinem Vater, dem FirmengrĂźnder, Ăźbernommen hat. Sein Sohn Jean ist AssociĂŠ im Familienunternehmen und steht seinem Vater an GeschäftstĂźchtigkeit in nichts nach. Schon manches Mal war er ihm âim entschlossenen Ergreifen des Vorteils Ăźberlegen gewesen.â Doch im Gegensatz zu seinem unsentimentalen Vater hat er einen Hang zu pietistischer FrĂśmmigkeit. Stets ist er darauf bedacht, âals Mensch von religiĂśsem Empfindenâ wahrgenommen zu werden.
Gegessen wird mit schwerem Silberbesteck von MeiĂner Tellern mit Goldrand. Das âganz einfache Mittagsbrotâ besteht aus Kräutersuppe nebst gerĂśstetem Brot, Fisch, einem kolossalen, ziegelroten, panierten Schinken mit Schalottensauce und einer solchen Menge von GemĂźsen, daĂ alle aus einer einzigen SchĂźssel sich hätten sättigen kĂśnnen. Darauf folgt Plettenpudding, ein schichtweises Gemisch aus Makronen, Himbeeren, Biskuits und Eiercreme, zu dem goldgelber, traubensĂźĂer alter Malvasier in kleinen Dessertweingläsern gereicht wird. AbschlieĂend trägt das Folgmädchencite-ref-11[11] noch Butter, Käse und FrĂźchte auf.
In einer kontrastierenden Parallelhandlung wird der nicht anwesende Sohn des Familienoberhauptes aus erster Ehe, Gotthold Buddenbrook, der vor Jahren verstoĂen wurde, um einen Teil seines Erbes gebracht. Senior- und Juniorchef sprechen sich ab, nachdem die Gäste gegangen sind. Der pietistisch-fromme Jean rät seinem Vater, die Forderung Gottholds guten Gewissens abzuweisen, damit das FirmenvermĂśgen nicht geschmälert werde.
Gotthold Buddenbrook war wegen einer unstandesgemäĂen Heirat verstoĂen worden. Er hatte, dem strengen Verbot des Familienoberhauptes zum Trotz, eine Mamsell StĂźwing geehelicht und damit nicht in eine Firma, sondern in einen âLadenâ eingeheiratet. In der Ăźberschaubaren Handelsstadt aber wurde âhaarscharfâ unterschieden zwischen den âersten und zweiten Kreisen, zwischen Mittelstand und geringem Mittelstand.â
Zweiter Teil
Die Buddenbrooks fĂźhren eine Familienchronik, ein dickes Goldschnittheft, dessen Aufzeichnungen bis zum Ende des 16. Jahrhunderts zurĂźckreichen. Darin hält am 14. April 1838 Jean Buddenbrook, heiter und in frommer Dankbarkeit, die Geburt seiner Tochter Clara fest, seines vierten Kindes. Im RĂźckblättern stĂśĂt er auf die Zeilen, die seine Verheiratung betreffen. âDiese Verbindung war, sollte er ehrlich sein, nicht gerade das gewesen, was man eine Liebesheirat nennt. Sein Vater hatte ihm auf die Schulter geklopft und ihn auf die Tochter des reichen KrĂśger, die der Firma eine stattliche Mitgift zufĂźhrte, aufmerksam gemacht, er war von Herzen einverstanden gewesen und hatte fortan seine Gattin verehrt, als die ihm von Gott vertraute Gefährtin⌠Mit der zweiten Heirat seines Vaters hatte es sich ja nicht anders verhalten.â
In der Stadt hat die Familie HagenstrĂśm FuĂ gefasst. Herr HagenstrĂśm ist Mitinhaber der Exportfirma Strunck & HagenstrĂśm und hat in eine reiche jĂźdische Familie aus Frankfurt eingeheiratet, was in den ersten Kreisen der Stadt mit Befremden aufgenommen wurde. Die HagenstrĂśms konkurrieren schon bald mit den Buddenbrooks, geschäftlich wie kommunalpolitisch. Auch die Kinder beider Familien rivalisieren bereits miteinander. Als HagenstrĂśms Sohn, der kleine Hermann, auf dem gemeinsamen Schulweg im Tausch gegen sein FrĂźhstĂźck einen Kuss von Tony einfordert, wehrt sie ihn ab. Seine Schwester mischt sich ein und es kommt zu einer Rauferei zwischen den Mädchen. âSeit diesem Ereignis war es beinahe zu Ende mit der Kameradschaft.â
1842 stirbt nach kurzer Krankheit Madame Antoinette Buddenbrook, Ehefrau von Johann d. Ă. Nach ihrem Tod wird der Witwer immer apathischer und zieht sich schlieĂlich aus der Firma zurĂźck. Jean Buddenbrook ist jetzt alleiniger Inhaber der traditionsreichen, 1768 gegrĂźndeten Getreidehandlung. Im März 1842, wenige Monate nach dem Dahinscheiden seiner Frau, stirbt auch Johann Buddenbrook d. Ă. einen sanften Tod. Trotz der fĂźr Gotthold Buddenbrook ungĂźnstigen Bestimmungen des väterlichen Testaments, an denen Jean festhält, beginnt eine zaghafte VersĂśhnung zwischen den HalbbrĂźdern.
Nach Ostern 1842 tritt Thomas Buddenbrook, sechzehnjährig, als Lehrling in die Firma ein. Er arbeitet mit Hingabe, den stillen und zähen FleiĂ des Vaters nachahmend. Der Firma, âdiesem vergĂśtterten Begriffâ, sind nach Auszahlung von ErbansprĂźchen und Vermächtnissen âbedeutende Mittelâ verloren gegangen. In einer nächtlichen Unterredung klärt Jean Buddenbrook seine Frau darĂźber auf, dass die Familie gar ânicht so ungemein reichâ ist.
Der Gymnasiast Christian Buddenbrook erregt den Unmut seines Vaters, als ruchbar wird, dass der âvierzehnjährige Knirpsâ mit einem Bukett fĂźr 1 Mark 8 ½ Schilling, einem ansehnlichen Betrag, in die Garderobe einer Schauspielerin des Stadttheaters marschiert ist, einer âDemoiselle Meyer-de la Grangeâ. Die junge KĂźnstlerin ist die Geliebte eines allgemein bekannten Lebemannes, der gerade zugegen ist, als der junge Christian seine drollige Aufwartung macht, sodass der Vorfall sich in der engen Stadt schnell herumspricht.
Aus erzieherischen GrĂźnden muss Tony, als sie âeinen argen Hang zu Hoffart und Eitelkeitâ zu zeigen und Liebesbriefe mit einem Gymnasiasten auszutauschen beginnt, in ein Mädchenpensionat. Geleitet wird es von der buckligen, kleinwĂźchsigen Therese (Sesemi) Weichbrodt. Trotz deren âstrenger Obhutâ verlebt Tony hier mit ihren beiden Freundinnen Armgard von Schilling und Gerda Arnoldsen âeine glĂźckliche Jugendzeitâ.
Dritter Teil
Tony Buddenbrook ist 18 Jahre alt. Der Hamburger Kaufmann Bendix GrĂźnlich hat bei Tonys Eltern um ihre Hand angehalten. Tony ist bestĂźrzt. âWas will dieser Mensch von mir -! Was habe ich ihm getan -?â und bricht in Tränen aus. Die Mutter redet ihr zu: âDie Verbindung, die sich dir darbietet, ist vollkommen das, was man eine gute Partie nennt, meine liebe Tony. [âŚ] du hast Zeit zur Ăberlegung. [âŚ] Aber wir mĂźssen zu Bedenken geben, daĂ eine solche Gelegenheit, dein GlĂźck zu machen, sich nicht alle Tage bietet, und daĂ diese Heirat genau das ist, was Pflicht und Bestimmung dir vorschreiben. Ja, mein Kind, das muĂ ich dir vorhalten.â
Tonys Vater bespricht sich mit der Mutter, nachdem er GrĂźnlichs GeschäftsbĂźcher eingesehen und sich in Hamburg Ăźber ihn erkundigt hat: âIch kann nicht anders, als diese Heirat, die der Familie und der Firma nur zum Vorteil gereichen wĂźrde, dringend erwĂźnschen! [âŚ] denn noch eines, Bethsy, und das kann ich nicht oft genug wiederholen: [âŚ] Die Geschäfte gehen ruhig, ach, allzu ruhig. [âŚ] Wir sind nicht vorwärts gekommen, seit Vater abberufen wurde.â
GrĂźnlich macht Tony hartnäckig den Hof. Tony ist deprimiert, verliert ihre gewohnte Frische und magert ab. Der Vater verordnet einen Erholungsaufenthalt an der Ostsee, in TravemĂźnde, im Haus des ihm gut bekannten Lotsenkommandanten Schwarzkopf. Dort lernt sie dessen Sohn kennen, den Medizinstudenten Morten, der während der Semesterferien nach Hause gekommen ist. Beide verlieben sich ineinander. Tony sagt Morten bei einem Spaziergang zum MĂśvenstein zu, GrĂźnlich nicht erhĂśren und auf Mortens Doktorexamen warten zu wollen. Dann will er bei ihren Eltern um ihre Hand anhalten. In einem Brief schreibt Tony ihrem Vater âDir, dem besten Vater, kann ich es ja sagen, daĂ ich anderweitig gebunden bin an jemanden, der mich liebt, und den ich liebe, daĂ es sich gar nicht sagen läĂt.â Ihren gemeinsamen Lebensplan teilt sie dem Vater ebenfalls mit.
Der Vater schreibt zurĂźck, GrĂźnlich drohe mit Selbstmord, falls er abgewiesen werde, und appelliert an Tonys Christenpflicht. In Hinblick auf die tradierten Heiratsentscheidungen von Familie und Firma Buddenbrook ermahnt er Tony: âDu mĂźĂtest nicht meine Tochter sein, nicht die Enkelin Deines in Gott ruhenden GroĂvaters und Ăźberhaupt nicht ein wĂźrdiges Glied unserer Familie, wenn Du ernstlich im Sinn hättest, Du allein, mit Trotz und Flattersinn Deine eigenen, unordentlichen Pfade zu gehen.â
Von Tonys Vater informiert, kommt GrĂźnlich nach TravemĂźnde, stellt sich Mortens Vater als âGeschäftsfreund von Konsul Buddenbrookâ vor, gibt sich den Anschein, mit Tony so gut wie verlobt zu sein, und beruft sich auf âältere Rechteâ. Der biedere Lotsenkommandeur, der die Standesgrenzen seiner Zeit respektiert, rĂźffelt seinen Sohn. Mit dem gegenseitigen Versprechen von Tony und Morten ist es aus.cite-ref-12[12]
Tony unterwirft sich der Familienräson. Sie selbst trägt eines Morgens stolz ihre Verlobung mit Grßnlich in die Familienchronik ein, da sie der Meinung ist, mit der Verlobung der Familie zu dienen. Grßnlich erhält von Jean Buddenbrook eine Mitgift von 80.000 Mark. Zu Beginn des Jahres 1846 heiratet Tony Buddenbrook Bendix Grßnlich, Kaufmann zu Hamburg.
Thomas bricht nach Amsterdam auf, um seine kaufmännischen Kenntnisse zu erweitern. Zuvor verabschiedet er sich von seiner heimlichen Geliebten, der schĂśnen, aber armen Blumenverkäuferin Anna, und lĂśst ihre gemeinsame Verbindung auf. Seine Entscheidung rechtfertigt er gegenĂźber Anna damit, dass er später einmal die Firma Ăźbernehmen werde und daher die Pflicht habe, âeine Partieâ zu machen und sich standesgemäà zu verheiraten.
Vierter Teil
Am 8. Oktober 1846 bringt Tony ihre Tochter Erika zur Welt. GrĂźnlich hat auĂerhalb Hamburgs eine Villa gekauft. FĂźr gemeinsame Hamburg-Besuche wird eine Mietkutsche bestellt. Er selbst fährt morgens mit âdem kleinen gelben Wagenâcite-ref-13[13] in die Stadt und kommt erst abends zurĂźck.
Jean Buddenbrook verliert durch den Bankrott eines Geschäftspartners in Bremen auf einen Schlag 80.000 Mark. In LĂźbeck muss er âall die plĂśtzliche Kälte, die ZurĂźckhaltung, das MiĂtrauen auskosten, [die] eine solche Schwächung des Betriebskapitals bei Banken, Freunden, bei Firmen im Ausland hervorzurufen pflegt.â Obendrein ist GrĂźnlich zahlungsunfähig geworden. Jean Buddenbrook besucht Tony in Hamburg und klärt sie Ăźber die finanzielle Situation ihres Gatten auf. Tony ist aus PflichtgefĂźhl bereit, GrĂźnlich in die Armut zu folgen. Geschähe dies aus Liebe, so erwägt Jean, mĂźsste er Tochter und Enkelkind vor dieser âKatastropheâ bewahren und GrĂźnlich âum jeden Preisâ halten. Er entschuldigt sich nun bei Tony, sie damals zur Ehe mit GrĂźnlich gedrängt zu haben, und versichert ihr, dass er sein Handeln âin dieser Stunde aufrichtig bereue.â Unter Tränen gesteht Tony, GrĂźnlich niemals geliebt zu haben. âEr war mir immer widerlich ⌠weiĂt du das denn nicht?â Um der Firma kein weiteres Geld zu entziehen, kommen beide Ăźberein, dass Tony GrĂźnlich verlässt und sich wegen Unfähigkeit GrĂźnlichs, fĂźr Frau und Kind zu sorgen, von ihm scheiden lässt. âDas Wort âFirmaâ hatte eingeschlagen. HĂśchst wahrscheinlich wirkte es entscheidender als selbst ihre Abneigung gegen Herrn GrĂźnlich.â
In Gegenwart von GrĂźnlichs Bankier, dem mephistophelisch-boshaften Kesselmeyer, sieht Jean Buddenbrook erneut die GeschäftsbĂźcher seines Schwiegersohnes ein. Von Kesselmeyer erfährt er, dass er bei seinen frĂźheren Erkundigungen Ăźber GrĂźnlich ausgerechnet an dessen Gläubiger geraten war. Sie hatten, um ihre ausstehenden Forderungen an GrĂźnlich abzusichern, dessen geschäftliche Situation beschĂśnigt. Auch GrĂźnlichs GeschäftsbĂźcher, Ăźber die sich Jean seiner Frau gegenĂźber so lobend geäuĂert hatte, waren gefälscht. Jetzt sieht er, von Kesselmeyer hĂśhnisch beglaubigt, die echten Zahlen. Es wird deutlich, dass GrĂźnlich Tony nur geheiratet hat, um ihre Mitgift zu erhalten und seinen Ruf in der Geschäftswelt zu verbessern. In einem Wutanfall gesteht GrĂźnlich dies auch ein.
Die Revolution 1848 nimmt in LĂźbeck einen sehr glimpflichen Verlauf, der mit einiger Ironie geschildert wird, nicht zuletzt durch das beherzte Eingreifen Jean Buddenbrooks. Aber sein Schwiegervater Lebrecht KrĂśger stirbt vor Aufregung Ăźber âdie Canailleâ in Jeans Armen.
1850 stirbt auch Jeans Schwiegermutter und dem Hause Buddenbrook fällt eine beachtliche Erbschaft zu.
Christian Buddenbrook, der studieren und einen akademischen Beruf wählen sollte, hatte diese Laufbahn abgebrochen und war als kaufmännischer Lehrling in eine Londoner Handelsfirma eingetreten. Inzwischen hat ihn seine Unstetigkeit nach ValparaĂso in Chile gefĂźhrt. Die mit Buddenbrooks konkurrierenden HagenstrĂśms kommen weiter voran.
Jean Buddenbrook stirbt unerwartet 1855.
FĂźnfter Teil
1855 ist Thomas mit 29 Jahren Chef der Firma Buddenbrook und Familienoberhaupt. Das Kapital beläuft sich auf 750.000 Mark. Elisabeth, die Witwe Jeans, wird als Universalerbin eingesetzt, was sich später als verhängnisvoll erweisen wird. Der langjährige Prokurist Friedrich Wilhelm Marcus avanciert auf testamentarischen Wunsch des verstorbenen Jean Buddenbrook zum Teilhaber und bringt ein Eigenkapital von 120.000 Mark ein. Fortan ist er gemäà dieser Quote am Gewinn beteiligt. Das FirmenvermĂśgen (ohne Grundbesitz) erhĂśht sich mit Marcusâ Einlage auf 870.000 Mark. Trotzdem ist Thomas unzufrieden. Johann Buddenbrook hatte in seiner besten Zeit Ăźber 900.000 verfĂźgt.
Der junge Chef bringt Frische und Unternehmungsgeist in die Firma, auch wenn er den Bedenkenträger Marcus wie âeine Bleikugelâ hinter sich herziehen muss. In geschäftlichen Verhandlungen setzt Thomas geschickt die Wirkung seiner PersĂśnlichkeit ein. Er erfreut sich Ăźberall groĂer Beliebtheit und Anerkennung: bei den Bediensteten des Hauswesens in der MengstraĂe, den Kapitänen seiner Schiffe, den GeschäftsfĂźhrern in den Speicherkontors, den Fuhrleuten und den Lagerarbeitern.
Auf Wunsch der Mutter kehrt Christian nach achtjähriger Abwesenheit 1856 aus Ăbersee zurĂźck â in groĂkariertem Anzug und mit Manieren, die den englischen Stil imitieren. Thomas stellt ihn als Prokuristen und Nachfolger von Herrn Marcus ein. Im Kontor erweist sich Christian bald als Bummler. Thomas gegenĂźber macht er keinen Hehl aus seiner Verachtung fĂźr die ordentliche BĂźroarbeit. Seine eigentlichen Talente kommen im Herrenclub zur Geltung. Dort ist er mit seiner âamĂźsanten, gesellschaftlichen Begabungâ gefragt und sorgt mit kleinen improvisierten Auftritten fĂźr die Unterhaltung der anwesenden Herren.
Nach Jean Buddenbrooks Tod hält seine Witwe Elisabeth das fromme Treiben im Hause aufrecht und steigert es noch. Sie hält täglich Andachten, erĂśffnet in den hinteren Kontorräumen eine Sonntagsschule fĂźr kleine Mädchen und richtet fĂźr ältere Damen den wĂśchentlichen âJerusalemsabendâ ein. Tony, die bei ihrer Mutter lebt, kann sich damit allerdings nicht recht anfreunden. Pastoren und Missionare gehen ein und aus, darunter Pastor Sievert Tiburtius aus Riga, der bald um die Hand der jĂźngsten Tochter der Familie anhält, der neunzehnjährigen Clara.
Thomas hält sich längere Zeit geschäftlich in Amsterdam auf. In einem Brief teilt er mit, dort in Gerda Arnoldsen, der Tochter eines wohlhabenden Geschäftspartners und ehemaligen Pensionsfreundin Tonys, seine kĂźnftige Gattin gefunden zu haben. Nach Ende des Trauerjahres heiraten im Dezember 1856 sowohl Clara und Tiburtius als auch, zu Beginn des Jahres 1857, Thomas und Gerda, mit der dem Hause Buddenbrook 100.000 Taler (300.000 Mark) Mitgift zuflieĂen.
Während sich Thomas und Gerda auf eine zweimonatige Hochzeitsreise durch Oberitalien begeben, richtet Tony das zuvor von Thomas erworbene neue und grĂśĂere Haus fĂźr das junge Ehepaar ein. Nach dessen RĂźckkehr gesteht Tony ihrem Bruder, dass auch sie gern wieder verheiratet wäre, um die Familie zu entlasten und weil sie sich im Haushalt ihrer frommen Mutter doch langweile. Sie habe sogar kurzzeitig Ăźberlegt, eine Stelle als Gesellschafterin in England anzunehmen, auch wenn dies eigentlich âunwĂźrdigâ sei, man habe sie aber wegen ihres zu attraktiven Aussehens abgelehnt.
Sechster Teil
Thomas und Gerda Buddenbrook haben ihre erste âMittagsgesellschaftâ gegeben. Das Dinner zog sich von fĂźnf bis elf Uhr hin. An der BĂśrse sprach man acht Tage lang âin den lobendsten AusdrĂźckenâ davon. âWahrhaftig, es hatte sich gezeigt, dass die junge Frau Konsulinâcite-ref-14[14] âzu repräsentieren verstand.â
Tony kehrt gut gelaunt von einem längeren Aufenthalt bei einer Freundin in MĂźnchen zurĂźck. Dort hat sie Alois Permaneder, den Teilhaber einer Hopfenhandlung, kennengelernt. Thomas leidet unter Christians peinlicher Geschwätzigkeit. Vor allem dessen ständige Mitteilungen Ăźber Krankheitsanzeichen aller Art (âIch kann es nun nicht mehrâ) empfindet er als unbeherrscht, formlos und lächerlich. In der Stadt wird der jĂźngere Buddenbrook nur Krischan genannt, seine Clownerien im Klub sind allgemein bekannt. Am meisten aber stĂśrt Thomas, dass Christian seine Liebschaft mit Aline Puvogel, einer einfachen Statistin vom Sommertheater, nicht verheimlicht, wie es der Anstand der Familie gebietet, sondern sich âmit der vom Tivoli auf offener, hellichter StraĂeâ zeigt.
Nachdem Christian im Klub behauptet hat, âeigentlich und bei Lichte besehen sei doch jeder Geschäftsmann ein Gaunerâ, kommt es zwischen den BrĂźdern zum Eklat. In einer Unterredung unter vier Augen bringt Thomas seinen Bruder dazu, die Buddenbrooksche Firma zu verlassen. Mit einem Vorschuss auf sein kĂźnftiges Erbe wird Christian Teilhaber einer Hamburger Handelsfirma.
Tony hofft auf eine Ehe mit dem Hopfenhändler Permaneder, ihrer MĂźnchener Bekanntschaft, einem Mann von 40 Jahren. Tonys Kommentar: âEs handelt sich diesmal nicht um eine glänzende Partie, sondern nur darum, daĂ die Scharte von damals durch eine zweite Ehe so ungefähr wieder ausgewetzt wird.â Nach einem unbeholfenen Anstandsbesuch des schnauzbärtigen Junggesellen im Hause Buddenbrook kommt die Ehe tatsächlich zustande und Tony zieht nach MĂźnchen, wo sie sich allerdings nicht recht eingewĂśhnen kann. Zu ihrer Enttäuschung setzt sich Herr Permaneder mit den Zinsen aus Tonys Mitgift von 17.000 Talern (51.000 Mark) zur Ruhe. Eine gemeinsame Tochter stirbt kurz nach der Geburt. Eines Nachts Ăźberrascht Tony ihren Gatten, als er betrunken die sich wehrende KĂśchin zu kĂźssen versucht. Tony kanzelt ihn ab und verlässt ihn stehenden FuĂes. Herr Permaneder stĂśĂt einen Fluch aus, so ungeheuerlich, dass Tony âdas Wortâ lange Zeit nicht Ăźber die Lippen bringen kann und sich hartnäckig weigert, es Thomas gegenĂźber preiszugeben. Sie nimmt den Vorfall zum Anlass, sich von dem âMann ohne Ehrgeiz, ohne Streben, ohne Zieleâ scheiden zu lassen. Der âSkandalâ einer zweiten Scheidung tangiert sie nicht. Thomas kann sie nicht umstimmen. Herr Permaneder willigt in die Scheidung ein und gibt Tonys Mitgift zurĂźck, ein Akt der Fairness, den man ihm nicht zugetraut hatte.
Siebter Teil
1861 wird Hanno, Thomasâ und Gerdas Sohn, geboren. Er erhält die Namen Justus Johann Kaspar. Die Taufe findet im Haus von Thomas Buddenbrook statt. Einer der beiden Taufpaten ist der regierende BĂźrgermeister. Eingefädelt wurde die Patenschaft von Konsul Thomas Buddenbrook und Tony Permaneder. âEs ist ein Ereignis, ein Sieg!â â Als letzter Gratulant erscheint der Speicherarbeiter Grobleben, der im Nebenverdienst die Stiefel von Thomasâ Familie putzt. Seine improvisierten Worte geraten dem unbeholfenen Mann wider Willen zu einer Art Grabrede. Thomas Buddenbrook springt ein und verhilft Grobleben zu einem glimpflichen Abgang.
Christian Buddenbrook ist jetzt 33 Jahre alt, wirkt jedoch schon deutlich gealtert. Seine hypochondrischen Klagen muten wahnhaft an. In Hamburg hatte er die Firma, in die er als Teilhaber eingetreten war, nach dem Tod seines Geschäftspartners gegen den Rat seines Bruders als alleiniger Inhaber weitergefßhrt und steht nun vor einem finanziellen Desaster. Bethsy Buddenbrook, seine Mutter, zahlt ihm einen weiteren Vorschuss von 5.000 Talern (15.000 Mark) auf sein Erbe aus. So kann Christian seine Schulden begleichen und einen Bankrott vermeiden. Er will demnächst nach London wechseln und dort eine Stelle annehmen. Mit Aline Puvogel, der Statistin vom Tivoli, hat er inzwischen eine uneheliche Tochter, fßr die er Alimente zahlen muss; Thomas ist allerdings der Meinung, das Kind sei Christian nur untergeschoben worden.
Thomas Buddenbrook wird zum Senator in seiner Vaterstadt gewählt. Nur knapp kann er seinen Konkurrenten Hermann HagenstrĂśm ausstechen, jenen Hermann HagenstrĂśm, dem in gemeinsamen Kindertagen Tony einen Kuss verweigert hatte. HagenstrĂśms gehĂśren mittlerweile zu den âfĂźnf oder sechs herrschenden Familienâ der Stadt.
1863 floriert die Firma wie zu Zeiten von Johann Buddenbrook d. Ă. Doch Thomas spĂźrt âein Nachlassen seiner Spannkraft, eine raschere AbnĂźtzbarkeit.â In dem Wunsch nach âeiner radikalen Ănderungâ, ânach Ausscheidung alles Alten und ĂberflĂźssigenâ lässt sich Thomas ein neues, prächtiges Haus bauen, das 1864 bezogen wird.
Christian telegrafiert aus London und äuĂert die Absicht, Aline Puvogel zu heiraten, was von seiner Mutter âaufs strengste zurĂźckgewiesenâ wird.
Die kÜrperliche Entwicklung des kleinen Hanno, des kßnftigen Chefs der Firma Buddenbrook, geht nur langsam voran. Erst spät lernt er das Laufen und Sprechen.
Ein ungĂźnstiger Geschäftsabschluss und ein Rededuell in städtischen Angelegenheiten, bei dem er Hermann HagenstrĂśm unterliegt, lassen Thomas Buddenbrook ahnen, dass er GlĂźck und Erfolg nicht auf Dauer festhalten kann. Resigniert zitiert er ein tĂźrkisches Sprichwort: âWenn das Haus fertig ist, kommt der Tod.â
Clara Buddenbrook, verheiratete Tiburtius, ist gestorben. In ihren letzten Stunden hatte sie ihre Mutter schriftlich und mit unsicherer Hand gebeten, ihr kĂźnftiges Erbe schon jetzt ihrem Mann auszuzahlen, dem Pfarrer Tiburtius. Die frĂśmmlerische Mutter Ăźbergeht das Familienoberhaupt Thomas und kommt der Aufforderung nach, hinter der ganz offensichtlich Tiburtius steckt. Thomas ist bestĂźrzt, als er erfährt, dass seine Mutter diesem âWichtâ und âErbschleicherâ 127.500 Kurantmark ausgezahlt hat. Immerhin hatte Tiburtius bereits 80.000 Mark Mitgift erhalten. Die Mutter rechtfertigt sich, Christian und Tony hätten ebenfalls zugestimmt. Dem âmaroden Narrenâ Christian, der zurzeit mit Gelenkrheumatismus in einem Hamburger Krankenhaus liegt, traut Thomas dies zu. Dass aber auch Tony zugestimmt haben soll, nimmt er seiner Mutter nicht ab: âTony ist ein Kindâ und hätte es ihm ausgeplaudert.
Gegen Ende des Streites mit seiner Mutter gesteht Thomas: âDie Geschäfte gehen schlecht, sie gehen zum Verzweifeln, genau seit der Zeit, daĂ ich mehr als Hunderttausend auf mein Haus gewandt habe.â 1866, im Jahr des PreuĂisch-Ăśsterreichischen Krieges, verlieren Buddenbrooks durch den Konkurs einer Frankfurter Firma 20.000 Taler (60.000 Mark).
Achter Teil
Tonys Tochter Erika, nunmehr 20 Jahre alt, heiratet 1867 den Direktor der Filiale einer Feuerversicherung, den knapp vierzigjährigen Hugo Weinschenk, einen selbstbewussten, ungebildeten und gesellschaftlich plumpen Mann, der es auf ein Jahreseinkommen von 12.000 Kurantmark gebracht hat. Tony darf in die Wohnung des jungen Paares mit einziehen, um ihrer im Haushalt noch unerfahrenen Tochter zur Hand gehen zu kĂśnnen. Die Heirat ihrer Tochter macht sie ĂźberglĂźcklich. âUnd es begann Tony Buddenbrooks dritte Ehe.â
Christian ist wieder in der Stadt. Gerda Buddenbrook, die Geigenvirtuosin, und der an Theater und Tingeltangel interessierte Christian kommen gut miteinander aus.
Das Kindermädchen Ida Jungmann berichtet Tony von Hannos sensibler Natur und schwacher Gesundheit. Er gehe nicht gern zur Schule, habe nachts Albträume und rezitiere im Schlaf Gedichte aus Des Knaben Wunderhorn. Der alte Hausarzt Dr. Grabow wisse auch keinen rechten Rat und begnßge sich mit der Diagnose pavor nocturnus.
Thomas Buddenbrook fĂźhlt sich mit zweiundvierzig Jahren als âermatteter Mannâ. Doch kann er seine Fassade mit viel Selbstdisziplin aufrechterhalten. âDie Eleganz seines ĂuĂeren blieb dieselbe.â
Auf Vermittlung von Tony lässt sich Thomas â entgegen den Prinzipien der Kaufleute Buddenbrook â auf ein beträchtliches Spekulationsgeschäft ein: Im FrĂźhjahr 1868 kauft er dem in Geldnot geratenen Besitzer des mecklenburgischen Gutes PĂśppenrade zum halben Preis dessen gesamte Jahresernte an Getreide noch âauf dem Halmâ ab.
Einige Monate später, am 7. Juli 1868, wird die hundertste Wiederkehr des GrĂźndungstages (1768) der Firma Buddenbrook festlich begangen. Während der Feier erreicht Thomas Buddenbrook ein Telegramm mit der Nachricht, dass ein Hagelschlag die âPĂśppenrader Ernteâ vernichtet habe.
Gerda Buddenbrook ist mit dem Organisten PfĂźhl befreundet. Sie streiten sich Ăźber die Musik Wagners. An den Montagnachmittagen gibt Herr PfĂźhl dem kleinen Hanno Musik- und Klavierunterricht. Im Gegensatz zur Schule, in der es ihm schwerfällt, sich zu konzentrieren, zeigt Hanno hier eine mĂźhelose Auffassung, âdenn man bestätigte ihm nur, was er eigentlich von jeher schon gewuĂt hatte.â An seinem achten Geburtstag spielt Hanno, von seiner Mutter auf der Violine begleitet, der versammelten Familie eine kleine eigene Phantasie vor. Tante Tony schlieĂt ihn in die Arme und ruft: âEr wird ein Mozartâ, allerdings hat sie von der vorgetragenen Musik nicht das Geringste verstanden. Als sich Thomas bei Gerda beklagt, dass die Musik ihn seinem Sohn entfremde, wirft diese ihm vor, dass es Thomas am notwendigen Verständnis fĂźr die Kunst der Musik fehle.
Hanno ist eng befreundet mit dem gleichaltrigen Kai Graf MĂślln. Eines Tages allein im Wohnzimmer, blättert Hanno in der Familienchronik und liest âdas ganze genealogische Gewimmel.â Einer Intuition folgend, zieht er unter seinen Namen mit dem Lineal einen doppelten Schlussstrich.cite-ref-15[15] Seinem Vater, der ihn zur Rede stellt, antwortet er: âIch glaubte ⌠ich glaubte ⌠es käme nichts mehr!â
Weinschenk, Tonys Schwiegersohn, hat mit betrĂźgerischen RĂźckversicherungen mehrfach andere Versicherungsgesellschaften geschädigt. Tony ist entsetzt, als sie dies erfährt, vor allem, als sich herausstellt, dass ausgerechnet Moritz HagenstrĂśm, der Bruder von Hermann HagenstrĂśm, Staatsanwalt bei dem Prozess ist. Sie unterstellt ihm eine besonders harte Verfolgung des Falls und kann nicht verstehen, dass man âeinen von unsâ (d. h. aus einer angesehenen Familie) ins Gefängnis stecken kann. Weinschenk wird zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.
AusfĂźhrlich wird ein Weihnachtsfest im Hause Buddenbrook inklusive Gebräuche und Speisenfolge beschrieben, bei dem insbesondere Geschenke fĂźr den kleinen Hanno â ein Puppentheater und ein Harmonium â im Vordergrund stehen.
Neunter Teil
Im Herbst 1871 stirbt nach langem Krankenlager und zähem Todeskampf Elisabeth (âBethsyâ) Buddenbrook, die ehemalige Weltdame, die ihre letzten Jahre mit FrĂśmmigkeit und Wohltätigkeit ausgefĂźllt hatte, an Pneumonie. Die weiblichen Hausangestellten tragen sogleich WäschekĂśrbe voll Kleider und Leinenzeug aus dem Haus, Dinge, die ihnen die Tote angeblich versprochen habe. Danach teilen die Familienmitglieder den Hausrat der Verstorbenen unter sich auf.
Zur Verwunderung seiner Geschwister beansprucht der Junggeselle Christian einen groĂen Teil der Wäsche und des Geschirrs fĂźr sich, denn er wolle die Mutter seiner Tochter, Aline Puvogel, Statistin vom Tivoli, heiraten. Seine Mutter hatte ihm dies zeitlebens verwehrt. Jetzt verwehrt es ihm Thomas, das neue Familienoberhaupt. Blass und vor Zorn zitternd, wirft er Christian vor, er sei nicht mehr sein eigener Herr. Der Tag der TestamentserĂśffnung werde ihm zeigen, dass er das Erbe seiner Mutter nicht verlottern kĂśnne: âIch werde den Rest deines VermĂśgens verwalten, und du wirst nie mehr als ein Monatsgeld in die Hände bekommen.â Christian will Ăźberdies die beiden Kinder, die Aline Puvogel vor der gemeinsamen Tochter geboren hatte, adoptieren und sein eigenes Kind legitimieren. Thomas Buddenbrook: âSo daĂ also dein VermĂśgen nach deinem Tode an jene Leute Ăźberginge?âcite-ref-16[16] âJaâ, antwortete Christian, âdas gehĂśrt sich doch so.â Thomas verbietet ihm auch das. Diesmal leistet Christian jedoch heftigen Widerstand, und es kommt zu einem erbitterten Streit, in dessen Folge Thomas droht: âDu wirst es nicht tun [âŚ] Ich lasse dich fĂźr kindisch erklären, ich lasse dich einsperren, ich mache dich zunichte.â
Das Haus in der MengstraĂe wird zu Beginn des Jahres 1872 fĂźr 87.000 Mark verkauft, zu Tonys Beschämung ausgerechnet an Hermann HagenstrĂśm. Christian mietet fĂźr sich und die Seinen eine bescheidene Dreizimmerwohnung, âeine Garçonwohnungâcite-ref-17[17] in der Nähe des Klubs. Tony zieht mit Tochter Erika und Enkelin Elisabeth in ein helles und ânicht ohne Anspruch auf Vornehmheit eingerichtetes Stockwerk am Lindenplatze. Es war eine hĂźbsche kleine Wohnung und an der EingangstĂźr stand auf einem blanken Kupferschild in zierlicher Schrift zu lesen: A. Permaneder-Buddenbrook, Witwe.âcite-ref-18[18]
Zehnter Teil
Der 46-jährige Thomas Buddenbrook fĂźhlt sich âunaussprechlich mĂźde und verdrossenâ. AusgehĂśhlt spielt er in seiner eleganten Garderobe und mit seinem verbindlichen Auftreten wie ein Schauspieler sich selbst. An der BĂśrse, so wird hinter seinem RĂźcken gespottet, wirkt er ânur noch dekorativâ. Rechnet er den Grundbesitz mit ein, so beträgt sein VermĂśgen 600.000 Mark.
Von Hanno, der inzwischen elf Jahre alt geworden ist, erhofft sich Thomas einen âtĂźchtigen und wetterfestenâ Nachfolger. Er lässt ihn turnen, Schlittschuh laufen und schwimmen. Im Hafen zeigt er ihm die Entladearbeiten auf den firmeneigenen Schiffen. Auch zu gesellschaftlichen Visiten in Häusern, denen er geschäftlich verpflichtet ist, nimmt er Hanno mit. Doch der Sohn durchschaut die gesellschaftliche Versiertheit des Vaters und erkennt, welche Anstrengung diese Selbstdarstellung kostet.
Hanno ist oft mit seinem Freund Kai zusammen. Der erzählt ihm geheimnisvolle Geschichten, deren seltsamste Augenblicke Hanno mit sĂźĂen Akkordfolgen auf dem Harmonium begleitet. Die Sommerferien verbringt Hanno gewĂśhnlich an der See, fernab von allen Widrigkeiten der Schule. Dann ist er ganz glĂźcklich in friedlicher und kummerloser Abgeschiedenheit.
1873 wird Hugo Weinschenk, Tonys Schwiegersohn, vorzeitig aus der Haft entlassen. Da er in der Stadt gesellschaftlich nicht mehr tragbar ist, erwarten Tony und ihre Tochter insgeheim die Trennung. Nach einigen Tagen reist Weinschenk nach London, seine Gattin Erika und ihre gemeinsame Tochter will er erst zu sich nehmen, wenn er ihnen wieder ein angemessenes Leben bieten kann. Ab da verliert sich seine Spur. Tony gibt einige Male eine Suchannonce auf, um eine Scheidungsklage ihrer Tochter wegen bĂśswilligen Verlassens zu ermĂśglichen.
Gerda Buddenbrook, so vermutet man in der Stadt, und das befĂźrchtet auch ihr Gatte, hat ein Verhältnis mit dem Leutnant RenĂŠ Maria von Trotha. Er verkehrt bei Buddenbrooks und musiziert mit Gerda im Salon, abgeschlossen von den Ăźbrigen Bewohnern und Hausangestellten. Qualvoll werden fĂźr Thomas Buddenbrook die Pausen, in denen die Musik âso lange, langeâ schweigt. Doch Gerda mit ihrer ânervĂśsen Kälte, in der sie lebte und die sie ausstrĂśmteâ zur Rede zu stellen, wagt er nicht. Als sich Hanno und sein Vater vor der TĂźr des Salons begegnen, in dem Gerda und der Leutnant sich bereits seit Stunden aufhalten, und die Musik wieder einmal fĂźr längere Zeit schweigt, ist fĂźr wenige Sekunden die sonstige Fremdheit zwischen ihnen aufgehoben. Der sensible Hanno begreift die geheime Eifersucht seines Vaters.
Thomas Buddenbrook hat das 48. Lebensjahr hinter sich. Sein schlechtes kĂśrperliches Befinden und seine gedrĂźckte Stimmung lassen Todesahnung aufkommen. âHalb gesucht, halb zufälligâ gerät Schopenhauers Hauptwerk in seine Hände, Die Welt als Wille und Vorstellung. Das Kapitel âĂber den Tod und sein Verhältnis zur UnzerstĂśrbarkeit unseres Wesens an sichâ enthĂźllt ihm âeine ewige Fernsicht von Licht.â Der Tod erscheint ihm jetzt als âdie RĂźckkunft von einem unsäglich peinlichen Irrgangâ. Thomas Buddenbrook setzt sein Testament auf.
Im September 1874 fährt Thomas auf ärztlichen Rat fĂźr einige Wochen zur Erholung an die Ostsee. Christian schlieĂt sich ihm aus freien StĂźcken an. Es kommt zu einer stillschweigenden AussĂśhnung der BrĂźder. Die Monotonie des Meeres, der mystische und lähmende Fatalismus, mit dem sich die Wogen heranwälzen, lĂśsen bei Thomas ein tiefes BedĂźrfnis nach Ruhe aus.
Vier Monate später muss Thomas bei Zahnarzt Brecht Hilfe suchen. Die Zahnextraktion ohne Betäubung missglĂźckt. Auf dem Heimweg erleidet Thomas einen Ohnmachtsanfall, stĂźrzt und schlägt mit dem Gesicht auf das StraĂenpflaster. Nach kurzem Krankenlager stirbt er, ohne wieder zu sich gekommen zu sein. Anna, seine Jugendliebe, wird auf ihren Wunsch in den Salon eingelassen, in dem er aufgebahrt liegt. In einem vierspännigen Leichenwagen, gefolgt von einer langen Reihe Kutschen und Wagen, wird Senator Buddenbrook in feierlichem Pomp zum Friedhof gefahren und im Familiengrab beigesetzt.
Elfter Teil
Hanno ist von seinem Vater nicht als Firmenerbe bestimmt worden. Firma und Grundbesitz sollen binnen eines Jahres von Kistenmaker, dem Testamentsvollstrecker und ehemaligen Schulkameraden von Thomas, verkauft werden. Auf dem Papier hatte Thomas ein VermĂśgen von 650.000 Mark als Vermächtnis angegeben. Nach einem Jahr stellt sich heraus, âdaĂ mit dieser Summe nicht im entferntesten zu rechnen warâ. Kistenmaker hat mit der AuflĂśsung des Nachlasses keine glĂźckliche Hand. Die Verluste sprechen sich herum: Mehrere Handwerker und Lieferanten drängen bei Gerda auf rasche Bezahlung ihrer Rechnungen, weil sie befĂźrchten, ihr Geld nicht mehr zu bekommen.
Christian, dessen mĂźtterliches Erbe ebenfalls von Kistenmaker verwaltet wird, heiratet Aline Puvogel, als durch den Tod von Mutter und Bruder deren Veto kein Hindernis mehr ist. Tony schreibt Aline Puvogel âmit sorgfältig vergifteten Wortenâ, dass sie weder sie noch ihre Kinder jemals als Verwandte anerkennen werde. Seiner Wahnideen und Zwangsvorstellungen wegen lässt Aline Christian gegen seinen Willen in eine psychiatrische Anstalt einweisen und kann so âunbeschadet der praktischen und ideellen Vorteile, die sie der Heirat verdankteâ, ihr bisheriges unabhängiges Leben fortsetzen.
Gerda Buddenbrook lässt das groĂe Haus, das Thomas hat bauen lassen, von Kistenmaker mit Verlust verkaufen, weil sie den Unterhalt nicht mehr finanzieren kann, und erwirbt stattdessen im Herbst 1876 eine kleine Villa vor dem Burgtor. Sie entlässt das altgediente Kindermädchen Ida Jungmann, die zu ihr nie ein besonders gutes Verhältnis gehabt und in letzter Zeit Ăśfter ihre Befugnisse Ăźberschritten hat.
Als der inzwischen sechzehnjährige Hanno seine Mutter einmal in die Oper Lohengrin begleiten darf, fĂźhlt er sich von der Musik wie berauscht. Doch schon am nächsten Tag hat er wieder Schule, wo er verspätet und unvorbereitet erscheint. Die Unterrichtsstunden in Religion, Latein, Chemie, Englisch und Erdkunde verlaufen deshalb, aber auch wegen diverser Unzulänglichkeiten der Lehrer und unglĂźcklicher Zufälle fĂźr Hanno sehr unvorteilhaft. Am Ende des Tages erfolgt die endgĂźltige Entscheidung, dass er nicht in die nächste Klasse versetzt werden soll. Deprimiert sieht Hanno fĂźr sich keine Zukunft mehr, auch nicht als Musiker: âIch kann beinahe nichts, ich kann nur ein biĂchen phantasieren [âŚ] Ich kann nichts wollen. Ich will nicht einmal berĂźhmt werden. Ich habe Angst davor, genau, als wäre ein Unrecht dabei.â
Im FrĂźhjahr 1877 stirbt Hanno an Typhus.cite-ref-19[19] In seiner fiebrigen Benommenheit verschlieĂt er sich der âStimme des Lebensâ. Sein fehlender Lebenswille lässt ihn Zuflucht nehmen âauf dem Weg, der sich ihm zum Entrinnen erĂśffnet hat.â Im Herbst des gleichen Jahres verabschiedet sich Gerda Buddenbrook von LĂźbeck und kehrt zu ihrem Vater nach Amsterdam zurĂźck.
Die theologisch-eschatologische Diskussion um die Existenz eines Lebens nach dem Tod, die Tony Buddenbrook am Ende des Romans zweifelnd anstĂśĂt und dabei die Theodizee-Frage stellt, schlieĂt den Kreis zur ersten Szene des Romans, wo Tony Buddenbrook als kleines Mädchen die traditionelle christliche SchĂśpfungstheologie (âIch glaube, daĂ mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturenâ) aufsagt. Anfang und Ende der Welt werden so vom Autor in Beziehung zu Aufstieg und Fall der Buddenbrooks gesetzt. Die abschlieĂend von Sesemi Weichbrodt postulierte Sinnhaftigkeit und Gerechtigkeit der Welt scheint vom Autor leicht ironisierend in Frage gestellt zu werden.
Zum Stil
Montagetechnik
Thomas Mann verstand sich als naturalistischer Schriftsteller.cite-ref-20[20] Mit der fßr ihn charakteristischen Montagetechnik baute er fremdes Material wie Begebenheiten existierender Personen, Ereignisse der Zeitgeschichte, Dokumente und Lexikonartikel in den Roman ein. Der literarische Text erhielt damit Authentizität. Lßbecker Bßrger und Verwandte Thomas Manns konnten sich in Buddenbrooks wiedererkennen.
Leitmotivik und Ironie
Charakteristisch fĂźr Thomas Mann ist sein permanentes Spiel mit Leitmotiven.
âDas Motiv, das Selbstzitat, die symbolische Formel, die wĂśrtliche und bedeutsame RĂźckbeziehung Ăźber weite Strecken hin, - das waren epische Mittel nach meinem Empfinden, bezaubernd fĂźr mich eben als solche; und frĂźh habe ich bekannt, daĂ Wagners Werke so stimulierend wie sonst nichts in der Welt auf meinen jungen Kunsttrieb wirkten. [âŚ] Wirklich ist es nicht schwer, in meinen ´Buddenbrooks´, diesem epischen, von Leitmotiven verknĂźpften und durchwobenen Generationszuge, vom Geist des Nibelungenringes einen Hauch zu verspĂźren.âcite-ref-21[21]
Fast allen Romanfiguren werden typische Attribute, Gesten oder Redewendungen zugeordnet. Einerseits hilft diese Technik dem Leser, sich zu erinnern. Andererseits kĂśnnen solche Formeln, hat man ihre Symbolik erkannt, vorausdeuten,cite-ref-22[22] bzw. frĂźhere Stimmungen erneut anklingen lassen. Damit verdeutlichen sie Ăźbergreifende Zusammenhänge und stellen ein Beziehungssystem innerhalb des Werkes her. Vor allem aber helfen sie mit, das stereotype Verhalten bestimmter Figuren zu ironisieren. So zitiert beispielsweise Tony Buddenbrook â immer wenn sie sich gesprächsweise Ăźber das âNaturproduktâ Honig äuĂert â eine Bemerkung des Medizinstudenten Morten Schwarzkopf. Die erinnernde Wiederholung zeigt, dass sie nach zwei unglĂźcklichen Ehen und Scheidungen ihre unerfĂźllte Jugendliebe immer noch nicht vergessen hat,cite-ref-23[23] und ironisiert zugleich ihren unerschĂźtterlichen Glauben an Mortens naturwissenschaftliche Kompetenz und ihren Stolz auf ihr naiv reproduziertes Wissen.
Seinen Welterfolg verdankt der Roman nicht zuletzt dieser wohlwollenden Ironie.cite-ref-24[24] Sie läuft auf ein distanziertes Geltenlassen hinaus â und damit letztlich auf Objektivität, denn sie impliziert immer auch die Kehrseite des Gesagten. Solche Doppeldeutigkeit ist ein durchgängiges Stilmittel im Gesamtwerk Thomas Manns.cite-ref-25[25] Diese wohlwollende Ironie des Geltenlassens hatte Mann bei Theodor Fontane kennengelernt.cite-ref-26[26] Sie durchzieht Fontanes Werk ebenso wie Manns und erfĂźllt etwa im Stechlin die Aufgabe, eine dezidierte politische Botschaft in die gemĂźtvolle, spĂśttisch-groĂmĂźtige Causerie des alten Herrn von Stechlin einzuwickeln. Mitunter zeigt sich Thomas Manns Ironie erst im Nachhinein: Eine stehende Redewendung Sesemi Weichbrodts, der Vorsteherin eines Mädchenpensionats, sind ihre bei Geburtsfeiern, Hochzeiten oder ähnlichen Anlässen geäuĂerten Worte: âSei glĂścklich, du gutes Kend.â Dazu gibt es einen âknallenden Kussâ auf die Stirn. Wie sich im weiteren Verlauf der Handlung erweist, werden die so ermutigten Adressaten allerdings regelmäĂig unglĂźcklich.cite-ref-27[27]
Sprachliche Polyphonie
âJe, den DĂźwel ook, câest la question, ma très chère demoiselle!â So lautet der zweite Satz des Romans, eine Mischung aus niederdeutscher Mundart und franzĂśsischer Sprachfloskel. Sie leitet die âsprachliche Orchestrierungâ ein.cite-ref-29[29]
An Fremdsprachen kommen das FranzĂśsische, Englische, Italienische zu Wort. Die Kinderfrau der Familie Buddenbrook, Ida Jungmann, steuert auĂer ihrer preuĂischen Mundart etwas Polnisch (in Thomas Manns eigentĂźmlicher und uneinheitlich eingedeutschter Schreibweise) bei. Latein bringen der Segenswunsch Ăźber dem Portal âDominus providebitâcite-ref-30[30] sowie die schulische Ovid-LektĂźre Hannos unter dem gefĂźrchteten Dr. Mantelsack.
Thomas Mann beherrschte auĂer dem Hochdeutschen auch die heimatliche Mundart der LĂźbecker, das Ăśrtliche Niederdeutsch, eine Sprache, die im Mittelalter die âlingua francaâ der Hanse gewesen war und im 19. Jahrhundert am Ort nicht nur von einfachen Leuten gesprochen wurde. Aber auch baltische, westpreuĂische, schlesische, schwäbische und bayrische SpracheigentĂźmlichkeiten werden eingebunden. Dazu kommt die individuelle Diktion der Romanfiguren, z. B. Christian Buddenbrooks hypochondrische Floskel: âIch kann es nun nicht mehrâ. Zur Sprachpalette gehĂśrt auch der Berufsjargon von Hannos Lehrern.
Figuren des Romans
Grundsätzlich gilt, was Thomas Mann selbst ßber seine Figurenzeichnung gesagt hat: Eigentßmlichkeiten und Charaktereigenschaften real existierender Personen wurden von ihm zwar erkennbar verwendet, aber dichterisch so bearbeitet, kombiniert und verwandelt, dass sich jeder unmittelbare Rßckschluss von Romanfigur auf historisches Vorbild verbietet.
Johann Buddenbrook der Ăltere
Johann Buddenbrook der Ăltere (1765â1842) hat während der Befreiungskriege als GetreidegroĂhändler und preuĂischer Heereslieferant den Grundstock des Buddenbrookschen VermĂśgens gelegt. Seine erste Frau Josephine, âdie Tochter eines Bremer Kaufmannesâ, die er âin rĂźhrender Weise geliebt habenâ muss und der er das schĂśnste Jahr seines Lebens verdankt (âLâannĂŠe la plus heureuse de ma vieâ), starb bei der Geburt seines Sohnes Gotthold (1796). Er hat dem Sohn diesen âMord der Mutterâ nie verziehen. In zweiter Ehe ist Johann Buddenbrook âmit Antoinette Duchamps, dem Kinde einer reichen und hochangesehenen Hamburger Familie, vermähltâ. Beide leben ârespektvoll und aufmerksam [âŚ] nebeneinanderâ und haben eine Tochter und einen Sohn, Johann (Jean) Buddenbrook, der, obwohl nicht der Erstgeborene, die Firma erbt, nachdem sein Halbbruder Gotthold in leidenschaftlicher Liebe zu einer gewissen âMamsell StĂźwing inflammiertâ war und mit ihr, des Vaters âstrengem Verbot zum Trotz, [eine] Mesalliance eingingâ.
Johann Buddenbrook ist von nĂźchterner Sachlichkeit und unerschĂźtterlichem Selbstvertrauen, bodenständig und weltläufig zugleich â er spricht sowohl plattdeutsch als auch flieĂend franzĂśsisch, im Zorn gelegentlich auch gern beides gleichzeitig. AuĂerdem kann er (von seiner Schwiegertochter âauf dem Harmonium begleitetâ) âdie FlĂśte blasenâ, eine Begabung, die er nicht weitervererbt hat. Weltanschaulich tendiert er zur Philosophie der Aufklärung und hält spĂśttische Distanz zur Religion. Allerdings legt er auch Wert auf klassische Bildung und hält nicht viel davon, dass die junge Generation nur noch Bergwerke und Geldverdienen im Sinn hat, andererseits kann er auch den Idealen der Romantik mit ihrer Naturschwärmerei nicht viel abgewinnen: Als sein Sohn Jean sich gegen den Plan des Vaters wehrt, den verwilderten Garten in Ordnung bringen zu lassen, weil ihm die freie Natur lieber sei, ist Johann amĂźsiert.
Als literarische Vorlage in Thomas Manns Familie wird Johann Siegmund Mann I, der GrĂźnder der Firma Mann, gesehen (s. Abb.). Von ihm stammt der Wahlspruch der Kaufleute im Roman: âMein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, daĂ wir bey Nacht ruhig schlafen kĂśnnenâ. Er wurde 87 Jahre alt und starb, so Viktor Mann, âim Revolutionsmärz 1848, wie man erzählt, an einem Schlaganfall, den ihm, dem lĂźbischen GroĂbĂźrger und Republikaner, seine kochende Wut Ăźber die harmlos randalierende âCanailleâ eingetragen hatteâ.
Konsul Johann (Jean) Buddenbrook (ca. 1800â1855)
Johann (Jean) Buddenbrook (ca. 1800â1855) ist der Sohn aus der zweiten Ehe Johann Buddenbrooks des Ălteren mit Antoinette Duchamps. Jean Buddenbrook hat die âtief liegenden, blauen und aufmerksamen Augen seines Vatersâ, aber ihr Ausdruck ist träumerischer.cite-ref-31[31] Die Geschäfte der Firma setzt er nach dem Tod des alten Buddenbrook erfolgreich fort, wie sich nach seinem Tod erweist, obwohl er ânach Kaufmannsart beständig geklagt hatteâ.cite-ref-32[32] Jean Buddenbrook bekleidet das Amt des KĂśniglich-Niederländischen Konsuls. Im Gegensatz zu seinem Vater verfällt Jean einer religiĂśsen Schwärmerei. Trotzdem ist er in der Stadt eine Autorität, auch sein Geschäftssinn wird von der Religiosität nicht beeinträchtigt.
Konsul Johann Siegmund Mann jun. (1797â1863) diente als Vorlage fĂźr Jean Buddenbrook. Er war der eigentliche Chronist der Familie Mann, schrieb das vom GroĂvater, dem ältesten Mann, geerbte Chronikheft in der erblichen âBibelâ ab und ergänzte sie durch Skizzen aus dem Leben von Johann Siegmund Mann sen.cite-ref-33[33] Auch Johann Siegmund Mann verlor seine erste Frau bei der Geburt des Sohnes und legte die Geschäfte in die Hände seines Sohnes aus zweiter Ehe.
Johann Siegmund Mann jun. wurde âsuccessiveâ in verschiedene Ămter seiner Heimatstadt gewählt und hätte wahrscheinlich noch mehr politische Erfolge eingebracht, wenn nicht ein Konkurrent, Johann Fehling, ihm geschadet hätte. Die Familie HagenstrĂśm des Romans heiĂt in den ersten EntwĂźrfen noch Fehling, Johann Fehlings Kinder hieĂen wirklich Julchen und Hermann.
Senator Thomas Buddenbrook (1826â1875)
Thomas Buddenbrook, dessen Vater, GroĂvater und UrgroĂvater schon in der Stadt gewirkt hatten, âwar der Träger eines hundertjährigen BĂźrgerruhmes. Die leichte, geschmackvolle und bezwingend liebenswĂźrdige Art freilich, in der er ihn repräsentierte und verwertete, war wohl das Wichtigste.âcite-ref-bb7-3-34-0[34]
In der Stadt munkelte man: âEin biĂchen prätentiĂśs, dieser Thomas Buddenbrook, ein biĂchen ⌠anders: anders auch als seine Vorfahren. Man wuĂte, besonders der Tuchhändler Benthien wuĂte es, daĂ er nicht nur seine sämtlichen feinen und neumodischen KleidungsstĂźcke â und er besaĂ deren ungewĂśhnlich viele: Pardessus, RĂścke, HĂźte, Westen, Beinkleider und Krawatten â ja auch seine Wäsche aus Hamburg bezog. Man wuĂte sogar, daĂ er tagtäglich, manchmal zweimal am Tag das Hemd wechselte und sich das Taschentuch und den Ă la Napoleon III. ausgezogenen Schnurrbart parfĂźmierte. Und das alles tat er nicht der Firma und der Repräsentation zuliebe â das Haus âJohann Buddenbrookâ hatte das nicht nĂśtig â, sondern aus einer persĂśnlichen Neigung zum Superfeinen und Aristokratischen.âcite-ref-bb5-8-35-0[35]
Thomas Mann hat dem jungen Firmenchef Thomas Buddenbrook ZĂźge des Dandy mitgegeben.
Tony (Antonie) Buddenbrook, geschiedene GrĂźnlich, geschiedene Permaneder (geb. 1827)
Antonie Buddenbrook genannt Tony, ist die erste Tochter von Jean und Elisabeth Buddenbrook, Schwester von Thomas, Christian und Clara, die Mutter Erika Weinschenks (geb. GrĂźnlich) und GroĂmutter Elisabeth Weinschenks.
Antonie Buddenbrook bleibt ein Leben lang sie selbst: kindlich naiv und unerschĂźtterlich in ihrem Familiensinn. Als Kind ist sie vom luxuriĂśsen Lebensstil der GroĂeltern, der den elterlichen in den Schatten stellt, tief beeindruckt. Vornehm wird eines ihrer Lieblingsworte und bis ins Alter hat sie eine Vorliebe fĂźr Atlasschleifen, die schon ihre Bettdecke im Haus der GroĂeltern zierten. In LĂźbeck grĂźĂen Erwachsene die kleine Tony, das Kind aus der Familie Buddenbrook. âSie ging in der Stadt wie eine kleine KĂśnigin umher.âcite-ref-36[36] Tony ist sehr davon eingenommen, Mitglied einer angesehenen Familie zu sein. Trotz des offenkundigen familiären Niedergangs und trotz ihres eigenen Lebens, das mit zwei Scheidungen nicht gerade zum Ruhm der Familie beiträgt, ist sie weiterhin von Stolz auf ihre Herkunft erfĂźllt, nur der Adel erscheint ihr noch edler. RĂźckschläge erklärt sie gerne mit Intrigen anderer, z. B. der verhassten Familie HagenstrĂśm. Als sich Gerda Buddenbrook am Ende des Romans verabschiedet, um nach Amsterdam zurĂźckzukehren, Ăźbernimmt Tony von ihr die frĂźher vom Familienoberhaupt verwahrten und weitergefĂźhrten âFamilienpapiereâ mit Aufzeichnungen zur Geschichte der Buddenbrooks.
Ăber die 47-jährige Tony heiĂt es: âAlles, jedes GlĂźck und jeden Kummer, hatte sie in einer Flut von banalen und kindisch wichtigen Worten, die ihrem MitteilungsbedĂźrfnis vollkommen genĂźgten, wieder von sich gegeben. [âŚ] Nichts Unausgesprochnes zehrte an ihr; kein stummes Erlebnis belastete sie. Und darum hatte sie auch gar nichts an ihrer Vergangenheit zu tragen.âcite-ref-37[37] Gleichzeitig versteht Tony es trotz allem Pathos auch, sich widerstandsfähig einer neuen Situation anzupassen und ihre AnsprĂźche trotz aller Fehlschläge aufrechtzuerhalten: Der gesellschaftlichen Missachtung als geschiedene Frau begegnet sie mit desto grĂśĂerer Arroganz und auch ihre letzte, kleine Wohnung wird, so gut es eben geht, âvornehmâ eingerichtet.
Seine Tante Elisabeth Amalie Hyppolita Mann, geschiedene Elfeld, geschiedene Haag (1838â1927), diente Thomas Mann als Vorlage fĂźr Tony Buddenbrook. Auf Thomasâ Bitte schrieb seine Schwester Julia Mann 1897 einen umfangreichen Bericht Ăźber Tante Elisabeth. Viele Details aus dieser Schilderung sind wĂśrtlich in den Roman Ăźbernommen worden (die Kinderstreiche, der âHang zum Luxusâ, die Anekdote mit der Specksuppe), obwohl Julia ihren Bruder um Diskretion gebeten hatte, da die beteiligten Personen noch lebten. Wie ihr literarisches Abbild war auch Elisabeth Mann zweimal verheiratet. Zur ersten Ehe wurde sie ebenfalls von den Eltern gedrängt, und ihr Ehemann ging bankrott. Elisabeth Mann war anfangs â laut Viktor Mann â ob der Indiskretion des Romans âindigniertâ, begegnete ihrem Schicksal aber dann âmit Humor und schlieĂlich mit Stolzâ, nachdem sie in der Familie nur noch Tony genannt wurde.
Der Roman beginnt mit den Worten der kleinen Tony, die aus dem Katechismus rezitiert. In der Schluss-Szene ist sie ebenfalls anwesend â das letzte Wort hat jedoch die steinalte Therese Weichbrodt. Tony wird Zeitzeugin fĂźr vier Generationen der Familie Buddenbrook, bleibt aber immer ganz und gar Gegenwart. Trotzdem ist Tony nicht die heimliche Heldin des Romans. Sie wächst nicht und verändert sich nicht. Auch wenn sie sich später selbst, scheinbar resignativ, als âalte häĂliche Frauâ bezeichnet, klingt es aus ihrem Mund, als spräche ein verkleidetes Kind seine Rolle auf dem Theater. Tony ist die Parodie eines absoluten Prinzips, der Zeit und dem Wechsel der Dinge enthoben: sie ist die komische Inkarnation von Schopenhauers Idee der Gattung, die dem Individuum eine Art von diesseitiger Unsterblichkeit verleiht und es in aller Unschuld ausrufen lässt: âTrotz Zeit, Tod und Verwesung sind wir noch alle beisammen!âcite-ref-38[38]
Christian Buddenbrook (geb. 1828)
Christian Buddenbrook (geb. 1828, der zweite Sohn von Jean und Elisabeth Buddenbrook und Bruder von Thomas, Tony und Clara) ist die konträre Figur zu seinem älteren Bruder Thomas.
Als der 28-jährige Christian von einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt zurĂźckkehrt, beschreibt ihn Thomas Mann so: âChristian hatte sich durchaus nicht verschĂśnt. Er war hager und bleich. Die Haut umspannte Ăźberall straff seinen Schädel, zwischen den Wangenknochen sprang die groĂe, mit einem HĂścker versehene Nase scharf und fleischlos hervor, und das Haupthaar war schon merklich gelichtet. Sein Hals war dĂźnn und zu lang und seine mageren Beine zeigten eine starke KrĂźmmung nach auĂen.âcite-ref-39[39]
Im Gegensatz zu Thomas legt Christian keinen Wert auf gesellschaftliche Konventionen. Auch FleiĂ und PflichtgefĂźhl gehen ihm ab, immer wieder stĂźrzt er sich begeistert in neue Unternehmungen und berufliche Pläne, doch schon nach kurzer Zeit lässt seine Motivation nach, sodass seine Vorhaben scheitern: Erst will er studieren, dann arbeitet er bei seinem Bruder im Kontor, hat schlieĂlich eine eigene Firma, Ăźbernimmt eine Agentur fĂźr Champagner, lernt Chinesisch und âĂźberarbeitetâ ein deutsch-englisches WĂśrterbuch â doch nichts davon bringt er zu Ende, sondern gibt auf, sobald der Reiz des Neuen verflogen ist oder Disziplin nĂśtig wäre. Hoch talentiert ist Christian darin, andere PersĂśnlichkeiten schauspielerisch zu imitieren und zu karikieren, was regelmäĂig HeiterkeitsausbrĂźche auslĂśst. Diese Fähigkeit hat Christian schon als Kind. Bereits im ersten Kapitel imitiert er seinen Lehrer, den skurrilen Marcellus Stengel, so genau, dass die Gäste der Einweihungsfeier sehr amĂźsiert sind. Auch erzählen kann Christian âmit Verve und Farbeâ. Jedoch ist er sich zuweilen durchaus bewusst, dass er in seinem Leben nach bĂźrgerlichen MaĂstäben nicht viel erreicht hat: Als sein Neffe Hanno ein Puppentheater zu Weihnachten geschenkt bekommt, ist Christian ganz fasziniert davon, ermahnt seinen Neffen aber dennoch in einem Anflug von Ernst, nicht zu viel Zeit auf solche Dinge zu verwenden. Er, Christian, habe dies zu intensiv getan und deshalb sei nichts Rechtes aus ihm geworden.
Christian wird Lebemann und verbringt seine Freizeit mit Gleichgesinnten im Club oder Theater, verkehrt in KĂźnstlerkreisen und mit nicht standesgemäĂen Damen. In der ganzen Stadt kennt man ihn nur als Krischan und lacht Ăźber seine Witze, ernst nimmt ihn niemand. Lästig wird der Familie sein Hang zur Hypochondrie und der Schilderung seiner ZĂśnästhesien. Christian zeigt auch wenig Sinn fĂźr Loyalität und achtet nicht auf die Folgen, die sein Lebenswandel fĂźr das Ansehen der Familie und der Firma Buddenbrook haben kĂśnnte. So macht er einmal im Club die Bemerkung, eigentlich sei doch jeder Kaufmann ein BetrĂźger â und reagiert mit Unverständnis, als sein wĂźtender Bruder ihm erklärt, dass solche ĂuĂerungen (die zu allem Ăberfluss auch noch in Gegenwart des ärgsten Konkurrenten Hermann HagenstrĂśm gefallen sind) dem Ruf der Firma schaden.
Seinen Bruder Thomas lehnt Christian ab: âSolange ich denken kann, hast du eine solche Kälte auf mich ausstrĂśmen lassen, dass mich in deiner Gegenwart beständig gefroren hatâ.cite-ref-bb9-2-40-0[40]
Nach dem Tod des Bruders hindert niemand mehr Christian daran, Aline Puvogel, seine langjährige Geliebte, zu heiraten (er ist ßberzeugt, der Vater deren unehelicher Tochter Gisela zu sein). Aline kann jedoch schon bald nach der Heirat einen Arzt dazu bewegen, Christian wegen seiner Wahnvorstellungen dauerhaft in eine Nervenklinik einzuweisen.
Friedrich Wilhelm Lebrecht Mann, in der Familie âOnkel Friedelâ genannt, ist Vorbild fĂźr Christian Buddenbrook. Klaus Mann berichtete, Onkel Friedel sei âein neurotischer Tunichtgutâ gewesen, âder sich in der Welt herumtrieb und Ăźber eingebildete Krankheiten klagteâ. Friedrich Mann hat sich am 28. Oktober 1913 gegen die seiner Meinung nach ehrabschneidende Darstellung in dem Roman in einer viel belachten Annonce im âLĂźbecker Generalanzeigerâ gewehrt:
âWenn der Verfasser der âBuddenbrooksâ in karikierender Weise seine allernächsten Verwandten in den Schmutz zieht und deren Lebensschicksale eklatant preisgibt, so wird jeder rechtdenkende Mensch finden, dass dieses verwerflich ist. Ein trauriger Vogel, der sein eignes Nest beschmutzt! Friedrich Mann, Hamburg.âcite-ref-41[41]
Christian Buddenbrook hat nicht nur Zßge des schrulligen Onkels. Die Diskrepanz der ungleichen Brßder Christian und Thomas spiegelt bereits hier im Ansatz den später offen ausbrechenden Konflikt zwischen Thomas Mann und seinem Bruder und Schriftsteller-Rivalen Heinrich Mann wider. Christians Lebenswandel ähnelt dem Privatleben des jungen Heinrich Mann.
In der fiktiven Welt des Romans erkennt Thomas eigene ZĂźge in Christians PersĂśnlichkeit,cite-ref-42[42] die er an sich selbst unterdrĂźckt. In einer Auseinandersetzung wirft Thomas Buddenbrook seinem Bruder vor: âIch bin geworden wie ich bin,â sagte er endlich, und seine Stimme klang bewegt, âweil ich nicht werden wollte wie du. Wenn ich dich innerlich gemieden habe, so geschah es, weil ich mich vor dir hĂźten muĂ, weil dein Sein und Wesen eine Gefahr fĂźr mich ist ⌠ich spreche die Wahrheit.âcite-ref-bb9-2-40-1[40] Aber nicht nur fĂźr Thomas Buddenbrook, auch fĂźr seinen Autor verkĂśrpert Christian eine existentielle Bedrohung. Denn ist er auch âkein KĂźnstler, so ist er doch der Anfang aller moralischen Sorgen, die Thomas Mann sich sein Lebtag Ăźber das KĂźnstlerdasein gemacht hat.âcite-ref-43[43]
Gerda Buddenbrook geb. Arnoldsen (geb. 1829)
Gerda lebt mit ihrem verwitweten Vater in Amsterdam. Als junges Mädchen hat sie bereits einige Zeit in LĂźbeck gewohnt, im gleichen Mädcheninternat wie Tony. Damals haben die Mädchen sich im Scherz darĂźber unterhalten, dass Gerda doch einen von Tonys BrĂźdern heiraten kĂśnne. Gerdas Schwester ist bereits verheiratet. Ihr Vater gilt als âder groĂe Kaufmann und beinahe noch grĂśĂere Geigenvirtuosâ. Auch Gerda musiziert und ist eine begnadete Violinistin. Sie besitzt eine kostbare Stradivari. Ihre Empfänglichkeit fĂźr zeitgenĂśssische Musik hat sie zu einer Verehrerin Wagners werden lassen.
Thomas Buddenbrook gewinnt Gerda auf der HĂśhe seiner Karriere. Bis dahin hatte sie âihren EntschluĂ, niemals zu heiraten, mit Festigkeit aufrechterhalten.â Ihre Musikalität beeindruckt Thomas, auch wenn ihm Musik wesensfremd ist. Seiner Mutter schreibt er: âDiese oder keine, jetzt oder niemals!â DarĂźber hinaus ist Gerda eine glänzende Partie, deren Mitgift frisches Kapital in die Firma bringt.
Ihre SchĂśnheit macht in LĂźbeck Eindruck: Ăźppig und groĂ gewachsen, mit schwerem, dunkelrotem Haar, die nahe beieinander liegenden braunen Augen von bläulichen Schatten umlagert. Das Gesicht ist âmattweiĂ und ein wenig hochmĂźtig.â Im Kontrast zu der Blässe und den verschatteten Augen zeigt ihr Lächeln weiĂe, starke Zähne. Die rätselhafte Aura, die sie umgibt, veranlasst den Makler und Kunstliebhaber Gosch, sie âHer[a und Aphrodite, BrĂźnhilde und Melusine in einer Personâ zu nennen. Ihren Pflichten als Frau Senator Buddenbrook kommt sie nach, ohne darin aufzugehen.
Gerdas Musikalität kontrastiert mit dem von praktischen Fragen bestimmten Alltag in der Familie Buddenbrook. Während ihr Mann im Untergeschoss fßr die Firma an seinem Schreibpult arbeitet, hÜrt er sie ßber sich im Musikzimmer mit Leutnant von Trotha musizieren. Thomas Buddenbrook muss hier schmerzlich eine Seelenverwandtschaft erkennen, die ihm verwehrt bleibt. Motivisch verkÜrpert Gerda Buddenbrook die Musik im Roman als ein weltenthobenes und destruktives Element, das frischer Tatkraft und geschäftlichem Fleià entgegensteht und zugleich ßber Lebensmßhen und Pflicht erhaben ist. Ihrem Sohn Hanno, dem letzten Buddenbrook, vererbt sie Musikalität und Weltabgewandtheit. Alterslos und von der Zeit unverändert, verlässt sie nach dem Tod von Ehemann Thomas und Sohn Hanno Lßbeck und kehrt in ihre Heimatstadt Amsterdam zurßck, als habe sich ihre Sendung erfßllt.
Gerda Buddenbrook weist Parallelen zu Thomas Manns Mutter Julia Mann auf.cite-ref-44[44] Beide wachsen sie mutterlos auf und verbringen einige Jahre in einem Lßbecker Mädchenpensionat. Auch Julia Mann verlässt nach dem Tod ihres Mannes die enge Heimatstadt mit ihrem Standesdßnkel. Mehr jedoch als an Julia Mann erinnert Gerda Arnoldsen an Gerda von Rinnlingen in der Novelle Der kleine Herr Friedemann. Dort brachte sie dem Titelhelden den Tod.
Hanno (Justus Johann Kaspar) Buddenbrook (1861â1877)
Hanno ist das einzige Kind von Thomas und Gerda Buddenbrook. Thomas Mann porträtierte in ihm seine eigene Kindheit â vor allem seine Erfahrungen mit der Schule, dem Meer und der Musik. UrsprĂźnglich waren die Buddenbrooks nur als Geschichte Hannos einschlieĂlich seiner Vorgeschichte gedacht.cite-ref-45[45]
âMit seinen langen, braunen Wimpern und seinen goldbraunen Augen stach Johann Buddenbrook auf dem Schulhof und auf der StraĂe trotz seines Kopenhagener Matrosenanzugs stets ein wenig fremdartig unter den hellblonden und stahlblauäugigen, skandinavischen Typen seiner Kameraden hervor. [âŚ] und noch immer lagen, wie bei seiner Mutter, die bläulichen Schatten in den Winkel seiner Augen, â dieser Augen, die, besonders wenn sie seitwärts gerichtet waren, mit einem so zagen wie ablehnenden Ausdruck dareinblickten, während sein Mund sich noch immer auf jene wehmĂźtige Art geschlossen hielt.âcite-ref-46[46]
Der kleine Johann verkĂśrpert die vierte Generation Buddenbrook, wenn man von den Vorfahren absieht, die im Roman nur erwähnt werden. Hannos Gesundheit ist immer gefährdet. Schon als Kleinkind ist seine Entwicklung verzĂśgert. Vergleichsweise harmlose Kinderkrankheiten fĂźhren bei ihm fast zum Tod. Später hat er erhebliche Probleme mit seinen Zähnen. Psychisch ist Hanno ebenfalls wenig robust: Er leidet unter Albträumen und ist ĂźbermäĂig ängstlich. Der Kontakt zu anderen Kindern fällt ihm schwer. Wird er unter Druck gesetzt, beginnt er zu weinen und zu stottern. Seine Erziehung verstärkt diese Probleme zusätzlich, z. B. hält Ida Jungmann ihn von anderen Kindern fern, und sein Vater setzt ihm durch Abfragen von Informationen Ăźber die Stadt oder die Firma Buddenbrook zu, ohne zu beachten, dass Hanno dadurch noch ängstlicher und mutloser wird.
Seinem Naturell nach hat Hanno keine Anlage zum Kaufmann, auch fĂźr eine Position in der Ăffentlichkeit ist er wegen seiner SchĂźchternheit und Menschenscheu nicht geeignet. Als er bereits mit acht Jahren auf dem FlĂźgel eine kleine, eigene Phantasie vorträgt, traut man ihm zu, Musiker zu werden. Aber man muss die Hoffnung aufgeben, als er trotz Klavier-Unterrichts eine Mozart-Sonate nicht fehlerfrei vom Blatt spielen, sondern ânur ein biĂchen phantasierenâ kann. In der Schule lassen seine Leistungen sehr zu wĂźnschen Ăźbrig, mehrfach wird er nicht versetzt. Er leidet unter den teilweise recht unfähigen und brutalen Lehrern, aber auch unter den Hänseleien seiner MitschĂźler. Durch mangelnde Disziplin bringt Hanno es selbst in Fächern, in denen es nur aufs Auswendiglernen ankommt oder der Lehrer ihm wohlgesinnt ist, nicht besonders weit; statt seine Hausaufgaben zu erledigen, phantasiert er lieber auf dem Klavier. Freunde hat er bei seinen Schulkameraden kaum; der einzige Freund ist Kai Graf MĂślln, aufgrund seiner Herkunft und der Armut des Vaters sowie seiner literarischen Interessen ebenfalls ein AuĂenseiter. Den Menschen auĂerhalb der Familie gilt Hanno als ausgemachter Versager, selbst sein Vormund Kistenmaker äuĂert gegenĂźber dem Pastor, Hanno entstamme einer verrotteten Familie und man mĂźsse ihn aufgeben. Auch Hanno selbst sieht klar, dass ihm der Wille zur Leistung fehlt, aus ihm nichts Rechtes werden kann, und akzeptiert sein Schicksal.
Antoinette Buddenbrook geb. Duchamps (â 1842)
Antoinette Buddenbrook ist die zweite Gattin von Johann Buddenbrook dem Ălteren. Die Hochzeit mit ihr war keineswegs eine Liebesheirat, als Tochter eines reichen Hamburger Kaufmannes ist sie jedoch eine gute Partie. Sie wird die Mutter von Jean Buddenbrook. 1842 stirbt sie nach mehrwĂśchiger Krankheit; ihr Mann ist tief getroffen, denn auch wenn er sie nie so sehr geliebt hat wie seine erste Frau, so hat sie doch viele Jahre klug und pflichtbewusst an seiner Seite gestanden. Als Vorlage diente das Schicksal von Catharina Mann, geborene Grotjahn, der Gattin von Johann Siegmund Mann dem Ălteren.
Bethsy (Elisabeth) Buddenbrook geb. KrĂśger (1803â1871)
Elisabeth ist die Ehefrau von Konsul Jean (Johann) Buddenbrook und die Mutter von Thomas, Christian, Tony (Antonie) und Clara. Sie wird zunächst als elegante und weltläufige Frau beschrieben, die ihre Rolle als Konsulsgattin sehr gut ausfßllt:
âSie war, wie alle KrĂśgers, eine äuĂerst elegante Erscheinung, und war sie auch keine SchĂśnheit zu nennen, so gab sie doch mit ihrer hellen und besonnenen Stimme, ihren ruhigen, sicheren und sanften Bewegungen aller Welt ein GefĂźhl von Klarheit und Vertrauen.â
Nach dem Tode ihres Mannes nimmt sie dessen pietistische FrĂśmmigkeit an, was bei ihr jedoch in FrĂśmmelei ausufert, und empfängt, wie schon ihr verstorbener Mann, ständig Besuche von Pastoren und Missionaren, denen sie Spenden zusteckt. Hinter dem RĂźcken ihres Sohnes und Familienoberhauptes Thomas Buddenbrook Ăźberträgt sie 1864, als ihre Tochter Clara im Sterben liegt, an deren Ehemann, den Pastor Tiburtius, 127.500 Kurantmark und schwächt damit nachhaltig das BarvermĂśgen der Firma (siehe Abschnitt 2.7). Auch im hohen Alter versucht sie, ihre einstige Eleganz aufrechtzuerhalten: Sie trägt weiterhin Seidenkleider und schlieĂlich eine PerĂźcke, nachdem ihre Haare trotz einer âPariser Tinkturâ grau geworden sind.
Bei ihrer Todeskrankheit zieht Dr. Grabow den jungen Kollegen, den eitlen Dr. Langhals, hinzu. Dieser wird später sein Nachfolger werden und Hanno Lebertran und RizinusÜl verschreiben.cite-ref-47[47]
Als Vorlage diente Elisabeth Mann geborene Marty (1811â1890), Ehegattin des Konsuls Siegmund Mann des JĂźngeren.
Clara Tiburtius geb. Buddenbrook (1838â1864)
Clara ist das vierte Kind von Jean und Elisabeth Buddenbrook. Beim Tod ihres Vaters ist sie noch minderjährig, so dass Justus KrĂśger zu ihrem Vormund ernannt wird. Clara Buddenbrook wird als ernst und streng beschrieben, sie teilt die religiĂśsen Neigungen ihres Vaters und nimmt bei häuslichen Andachten schlieĂlich seine Rolle als Vorleser ein. 1856 heiratet sie den im Hause der Buddenbrooks verkehrenden Pastor Tiburtius und zieht mit ihm nach Riga.
âWas Clara Buddenbrook betraf, so stand sie nun im neunzehnten Jahre [als sie Tiburtius heiratet] und war, mit ihrem dunklen, glattgescheitelten Haar, ihren streng und dennoch träumerisch blickenden braunen Augen, ihrer leicht gebogenen Nase, ihrem ein wenig zu fest geschlossenen Munde und ihrer hohen, schlanken Gestalt zu einer jungen Dame von herber und eigentĂźmlicher SchĂśnheit herangewachsen. [âŚ] Ihr eignete im Verkehr mit den Dienstboten, ja, auch mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter, ein etwas herrischer Ton, und ihre Altstimme schon, die sich nur mit Bestimmtheit zu senken, nie aber fragend zu heben verstand, trug einen befehlshaberischen Charakter und konnte oft eine kurze, harte, unduldsame und hochfahrende Klangfarbe annehmen.â
Als Vorlage der Romanfigur diente Olga Mann, verehelichte Sievers (1846â1880), als Vorlage des Tiburtius ihr Gatte, der Kaufmann Gustav Sievers.
Gotthold Buddenbrook (1796â1856)
Gotthold Buddenbrook ist der ungeliebte Sohn von Johann Buddenbrook d. Ă. aus erster Ehe. Die erste Frau Johann Buddenbrooks starb bei Gottholds Geburt. VerstoĂen und mit einem geringen Erbteil abgefunden wird Gotthold wegen einer eigenwilligen, unstandesgemäĂen Heirat (s. o. Inhalt, Erster Teil). Anstelle Gottholds, des Erstgeborenen, wird sein Halbbruder Jean â aus Johanns zweiter Ehe â Chef der Firma Buddenbrook. Gotthold wird als beleibt und kurzbeinig beschrieben. Nach dem Tod Johann Buddenbrooks d. Ă. fragt Gotthold seinen Halbbruder Jean, ob die Bestimmungen des väterlichen Testaments noch geändert worden seien. Obwohl sie weiterhin in Kraft bleiben und Jean Gotthold kein grĂśĂeres Erbteil zukommen lässt, versĂśhnen sich die BrĂźder zaghaft â Gotthold sieht ein, dass Jean es sich nicht leisten kann, ihm einen grĂśĂeren Anteil am väterlichen VermĂśgen zukommen zu lassen. Nach dem Tode Jeans Ăźberlässt Thomas Buddenbrook als VersĂśhnungsgeste seinem Onkel aber freiwillig das angesehene Amt des niederländischen Konsuls. Anders als Gotthold haben aber seine Frau und seine drei TĂśchter weiterhin eine Abneigung gegen die wohlhabenderen Verwandten in der MengstraĂe. Gotthold selbst besitzt auch wenig geschäftlichen Ehrgeiz â nachdem er seinen geringen Anteil am väterlichen Erbe erhalten hat, gibt er seinen âLadenâ auf und setzt sich zur Ruhe.
Gottholds TĂśchter Friederike, Henriette und Pfiffi Buddenbrook bleiben, da ohne Mitgift, unverheiratet. Die RĂźckschläge der Familie Buddenbrook kommentieren sie mit Schadenfreude, so weisen sie zum Beispiel nach der Geburt Hannos â statt sich mit der Familie zu freuen â voll Neid und Bosheit auf dessen schwächliches ĂuĂeres und seine verzĂśgerte Entwicklung hin. Selbst im Lob wissen sie spitze Bemerkungen zu verstecken. Beim Tod ihrer Mutter benehmen sie sich so, als hätte die ständige Ablehnung durch die reichen Verwandten sie frĂźh ins Grab gebracht â in Wirklichkeit ist sie âsteinaltâ geworden. Als Vorlage fĂźr Gotthold Buddenbrook diente Konsul Siegmund Mann, als Vorbilder fĂźr Pfiffi (=Josefine), Henriette und Friederike Buddenbrook sind Luise, Auguste und Emmy Mann identifiziert. Thomas Mann verwendete die Namen bereits zuvor fĂźr die drei Schwestern des Protagonisten seiner Erzählung Der kleine Herr Friedemann.
Klothilde Buddenbrook
Klothilde Buddenbrook ist die Tochter eines armen Verwandten, Bernhardt Buddenbrook (ein Neffe Johann Buddenbrooks des Ălteren), der das kleine Gut âUngnadeâ in Mecklenburg bewirtschaftet. Klothilde, Spitzname Thildchen oder Thilda, ist im Alter von Tony Buddenbrook, sie wächst mit ihr und ihren Geschwistern im Haus in der MengstraĂe auf. Da sie keinerlei VermĂśgen besitzt, ist sie sich schon frĂźh darĂźber klar, dass sie wohl nie einen Ehemann finden wird. Sie bleibt tatsächlich ledig, wohnt zunächst als Untermieterin bei der Witwe Krauseminz und kommt später auf Betreiben von Thomas Buddenbrook im Johanniskloster unter, einem Stift fĂźr unverheiratete, vermĂśgenslose Damen aus alteingesessener Familie. Sie wird als mager, blass und phlegmatisch beschrieben. Bei Tisch fällt ihr ungeheurer Appetit auf, den sie demĂźtig und unbeirrt stillt. Die anderen Familienmitglieder necken sie oft auf harmlose Weise, was Thilda aber nicht weiter ärgert. Als ihr Vorbild gilt Thekla Mann.
Familie KrĂśger
Der reiche Lebrecht KrĂśger (geb. unbekannt, gest. 1848) ist der Vater von Elisabeth Buddenbrook, Jean Buddenbrooks Ehefrau. Seine Enkelin Tony ist als Kind oft auf einige Wochen in seinem Haus zu Gast, das luxuriĂśser ist als das elterliche. Lebrecht KrĂśger ist ein weltläufiger älterer Herr alter Schule, der oft groĂzĂźgige Geschenke macht. Im Roman heiĂt er der Ă la mode-Kavalier. Ihm setzt das Erlebnis der Krawalle von 1848 so zu, dass er nach der nächtlichen Kutschfahrt durch die StraĂenunruhen bei der Ankunft vor seiner HaustĂźr (mĂśglicherweise an einem Schlaganfall) stirbt.
Sein Sohn Justus KrĂśger (geb. 1800, gest. 1875) heiratet die menschenscheue Rosalie Oeverdieck und hat mit ihr die Kinder Jakob und JĂźrgen. Er setzt sich bald zur Ruhe und genieĂt das Leben als âSuitierâ.cite-ref-48[48] Er verkauft den herrschaftlichen Grundbesitz seiner Eltern, der aufgeteilt und mit einfachen Häusern bebaut wird, was Tony Buddenbrook empĂśrt. Justus ist nach Jeans Tod der Vormund von Clara Buddenbrook. Seine SĂśhne enttäuschen: Jakob fällt immer wieder durch Leichtsinn und zwielichtige Geschäfte auf. Der Vater bricht mit ihm, als er bei seinem Arbeitgeber eine âUnredlichkeitâ, einen âĂbergriffâ begeht, schickt ihn nach Amerika und weigert sich fortan, Ăźber seinen Sohn zu sprechen. Nur Jakobs Mutter weiĂ, wo er sich aufhält und verkauft heimlich ihr Silberzeug, um dem Enterbten Geld zu senden. JĂźrgen gibt sein Jurastudium auf, nachdem er zweimal durch das Examen gefallen ist, und wird schlichter Postbeamter in Wismar. Auch das ursprĂźnglich sehr groĂe VermĂśgen der KrĂśgers schwindet ständig: Nachdem Justus frĂźher ebenso groĂzĂźgige Geschenke gemacht hat wie sein Vater, besitzt seine Witwe, nicht zuletzt wegen der ständigen UnterstĂźtzungszahlungen fĂźr ihren kriminellen Sohn, am Ende nicht einmal mehr ein âpräsentablesâ Kleid.
Justus stirbt wie Thomas Buddenbrook 1875.
Familie HagenstrĂśm
HagenstrĂśms, die neu in der Stadt sind, konkurrieren zielstrebig mit den Buddenbrooks. Am Ende hat Hermann HagenstrĂśm, der etwa gleichaltrig mit Thomas Buddenbrook ist, ihn âgeschäftlich weit ĂźberflĂźgeltâ.cite-ref-bb9-4-49-0[49] Er war auch der erste in der Stadt, der seine Wohnräume und Kontore mit Gas beleuchtete. âDas Neuartige und damit Reizvolle seiner PersĂśnlichkeit, das, was ihn auszeichnete und in den Augen vieler eine fĂźhrende Stellung gab, war der liberale und tolerante Grundzug seines Wesens. Die legere und groĂzĂźgige Art, mit der er Geld verdiente und verausgabte, war etwas Anderes als die zähe, geduldige und von streng Ăźberlieferten Prinzipien geleitete Arbeit seiner MitbĂźrger. Dieser Mann stand frei von den hemmenden Fesseln der Tradition und der Pietät auf seinen eigenen FĂźĂen, und alles Altmodische war ihm fremd.â Wenn Hermann HagenstrĂśm irgendeiner Tradition nachlebte, âso war es die von seinem Vater, dem alten Hinrich HagenstrĂśm Ăźbernommene unbeschränkte, fortgeschrittene, duldsame und vorurteilsfreie Denkungsart.âcite-ref-bb7-3-34-1[34] Nach dem Tode von Thomasâ Mutter kauft Hermann HagenstrĂśm das groĂe Haus in der MengstraĂe. Der Aufsteiger, der kaum seinen GroĂvater gekannt hatte, gibt sich damit âdie historische Weihe, sozusagen das Legitime.âcite-ref-bb9-4-49-1[49] HagenstrĂśms nehmen Buddenbrooks Platz ein, â wie vor Zeiten Buddenbrooks die Ratenkamps, die Vorbesitzer des Hauses, abgelĂśst hatten. âSchon im FrĂźhjahr [1872] bezog er mit seiner Familie das Vorderhaus, indem er dort nach MĂśglichkeit alles beim alten belieĂ, vorbehaltlich kleiner gelegentlicher Renovierungen und abgesehen von einigen sofortigen, der Neuzeit entsprechenden Ănderungen; zum Beispiel wurden alle GlockenzĂźge abgeschafft und das Haus durchaus mit elektrischen Klingeln versehen.â
Morten Schwarzkopf
Der sachliche Medizinstudent Morten Schwarzkopf gefällt Tony gleich bei der ersten Begegnung. Nach jedem Gespräch mit ihm imponiert er ihr etwas mehr. Beide verlieben sich ineinander und versprechen sich, aufeinander zu warten, bis Morten sein Doktor-Examen bestanden hat. Morten bleibt lebenslang Tonys einzige Liebe, die von Tonys Vater aus einer Mischung von Standesdßnkel und Krämer-Mentalität hintertrieben wird (s. Inhalt, Dritter Teil). Jean Buddenbrook fällt auf den Blender Bendix Grßnlich herein und setzt ihn als Tonys Ehemann und zukßnftiges Familienmitglied durch.
In seinen Gesprächen mit Tony vertritt Morten Schwarzkopf die liberalen Standpunkte des BĂźrgertums gegenĂźber Adel und patrizischem BĂźrgertum. Vor staatlichen Autoritäten hat er wenig Respekt und besitzt ein Skelett, dem er eine Polizeiuniform angezogen hat, er ist Mitglied einer Burschenschaft. Tony versteht seine politischen Ansichten, die sich letztlich gegen ihre eigene soziale Schicht richten, in ihrer naiven Art nicht ganz, ist aber trotzdem beeindruckt von seinen ĂuĂerungen. Auch seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse imponieren ihr, noch viele Jahre später, beim Tod ihrer Mutter, gibt sie seine Bemerkungen Ăźber âStickflussâ, ein LungenĂśdem, wieder. Bezeichnend fĂźr ihr Verhältnis zu dem sympathischen, aber aus Buddenbrookscher Sicht nicht standesgemäĂen Morten wird die Redewendung âauf den Steinen sitzenâ, die leitmotivisch wiederkehrt: Morten Schwarzkopf muss auf den steinernen Wellenbrechern abseits vom eleganten Strandleben sitzen und auf Tony warten. In ihrem Bekanntenkreis will er sich nicht zeigen, weil er spĂźrt, dass er nicht dazu gehĂśrt.
GrĂźnlich geht trotz der ansehnlichen Mitgift aus der Familie Buddenbrook bankrott. Morten Schwarzkopf wird â wie der stolze Vater später berichtet â ein erfolgreicher Arzt in Breslau (âun hei hett ook all âne ganz staatsche Praxis, der Bengelâ).cite-ref-bb5-8-35-1[35]
Bendix GrĂźnlich
Grßnlich wird als Geschäftspartner von Tonys Vater in den privaten Familienkreis eingeladen, wo ihn die 18-jährige Tony kennenlernt:
âDurch den Garten kam, Hut und Stock in derselben Hand, mit ziemlich kurzen Schritten und etwas vorgestrecktem Kopf, ein mittelgroĂer Mann von etwa 32 Jahren in einem grĂźngelben, wolligen und langschĂśĂigen Anzug und grauen Zwirnhandschuhen. Sein Gesicht, unter dem hellblonden, spärlichen Haupthaar war rosig und lächelte; neben dem einen NasenflĂźgel aber befand sich eine auffällige Warze. Er trug Kinn und Oberlippe glattrasiert und lieĂ den Backenbart nach englischer Mode lang hinunterhängen; diese Favoris waren von ausgesprochen goldgelber Farbe. â Schon von weitem vollfĂźhrte er mit seinem groĂen, hellgrauen Hut eine Gebärde der Ergebenheit.â
Antonie verabscheut ihn vom ersten Moment an wegen seiner manierierten Redeweise (âDas putzt ganz ungemeinâ) und Ăźbertriebenen Gestik, auch durchschaut sie schnell, dass er ihren Eltern genau das sagt, was sie hĂśren mĂśchten. Nach einigen Wochen macht er ihr einen Antrag. Tony lehnt ab. Hartnäckig und intrigant bemĂźht er sich um Tony: GrĂźnlich sucht den Vater von Morten Schwarzkopf auf und informiert ihn Ăźber dessen Heiratspläne mit Tony, worauf Mortens Vater seinem Sohn den Umgang mit Tony untersagt. Auch durch geschickte Beeinflussung von Tonys Eltern â so mahnt Pastor KĂślling, der fĂźr die in seinen Predigten gemalten rhetorischen Schreckbilder bekannt ist, sie 1845 im Auftrag der Familie wegen ihrer unbotmäĂigen Abneigung von der Kanzel herab zu Ehepflicht und Gehorsam (III, 4),cite-ref-50[50]cite-ref-51[51] â erreicht er schlieĂlich die Verheiratung mit ihr.
Was wie Verliebtheit aussah, erweist sich als Berechnung: Nach der Hochzeit nimmt GrĂźnlich kaum Notiz von seiner jungen Frau. Es war ihm ausschlieĂlich auf die Mitgift angekommen und auf seine Bonität als Schwiegersohn der Familie Buddenbrook, darum hatte er auch die Verlobung mit Tony publik gemacht, noch bevor sie erfolgt war. Seine Rechnung geht allerdings letztendlich nicht auf: Zwar hatte er aufgrund seiner Verwandtschaft zu Johann Buddenbrook zunächst weitere Kredite von den Banken erhalten, als er jedoch endgĂźltig zahlungsunfähig wird, weigert sich sein Schwiegervater, GrĂźnlichs Schulden zu bezahlen.
Wegen Grßnlichs Bankrott lässt sich Tony von ihm scheiden und kehrt mit der gemeinsamen Tochter ins Elternhaus zurßck.
Alois Permaneder
âKurzgliedrig und beleibt, trug er einen weit offenstehenden Rock aus braunem Loden, eine helle und geblĂźmte Weste, die in weicher WĂślbung seinen Bauch bedeckte [âŚ]. Der hellblonde, spärliche, fransenartig den Mund Ăźberhängende Schnurrbart gab dem kugelrunden Kopfe mit seiner gedrungenen Nase und seinem ziemlich dĂźnnen, unfrisierten Haar etwas Seehundartiges.â Sein Gesicht hatte einen âMischausdruck von Ergrimmtheit und biederer, unbeholfener, rĂźhrender GutmĂźtigkeit.â
Unverzeihlich und unter keinen Umständen wiederzugeben ist jenes Schimpfwort, das Alois Permaneder seiner Frau Tony nachgerufen hat. Ăber viele Romanseiten wird der Leser Ăźber Permaneders letzte Worte im Unklaren gelassen.
âSpäter, auf irgendeine niemals aufgeklärte Weise, ist einzelnen Familienmitgliedern das âWortâ bekannt geworden, dieses desparate Wort, das in jener Nacht Herr Permaneder sich hatte entschlĂźpfen lassen. Was hatte er gesagt?â â âGehâ zum Deifi, Sauludâr dreckats!â â âSo schloĂ Tony Buddenbrooks zweite Ehe.â
Allerdings ist Permaneder eigentlich ein gutmßtiger Mensch. Der Tod seiner kleinen Tochter trifft ihn sehr. Auch hegt er gegen Tony keinen Groll, sondern gibt nach der Scheidung bereitwillig ihre Mitgift zurßck und gratuliert noch Jahre später telegrafisch zum Jubiläum der Firma Buddenbrook.
Kai Graf MĂślln
Kai ist Hannos einziger Freund, âvon vornehmer Herkunft und gänzlich verwahrlostem ĂuĂerenâ. Mit seinem Vater lebt er vor den Toren der Stadt auf dessen âwinzigem, fast wertlosem Anwesen, das Ăźberhaupt keinen Namen hatteâ. âMutterlos [âŚ] war der kleine Kai hier wild wie ein Tier unter HĂźhnern und Hunden herangewachsen.â Vom Stammbaum der gräflichen Familie existieren nur noch er und sein Vater, das Anwesen der Familie ist alles andere als herrschaftlich, sondern wirkt mehr wie ein einfacher Bauernhof. Auch das Benehmen seines Vaters lässt zu wĂźnschen Ăźbrig. Ida Jungmann ist schockiert, als sie einmal mit Hanno dort einen Besuch macht und das genaue Gegenteil der erwarteten adligen Vornehmheit antrifft. In Kai hat sich jedoch aristokratisches Selbstvertrauen erhalten. Dazu strotzt er voll Lebenskraft, ist begeistert von englischer Literatur und ein phantasiereicher Erzähler, ohne dass ihn sein Interesse an Literatur (er schreibt auch selbst) weltfremd macht. Auf ihm lastet keine (Familien-)Geschichte, und bĂźrgerlichen Konventionen fĂźhlt er sich nicht verpflichtet. Der Verfall seiner Familie hat ihn nicht lebensuntĂźchtig gemacht.cite-ref-52[52] Anders als der empfindsame Hanno leidet Kai auch nicht so sehr unter den Lehrern, sondern macht sich Ăźber sie lustig.
Kai und Hanno fĂźhlen sich vom ersten Augenblick an voneinander angezogen. Der Aktivere in dieser Freundschaft ist Kai. Er âhatte mit einer stĂźrmisch aggressiven Männlichkeit um die Gunst des stillen [âŚ] Hanno geworben, der gar nicht zu widerstehen gewesen war.â â Als Vorbild fĂźr die Romanfigur gilt ein Graf Schwerin.
Ida Jungmann
Ida Jungmann ist Ăźber 40 Jahre lang die Kinderfrau der Familie Buddenbrook. Sie stammt aus WestpreuĂen und hat ihre angestammte Mundart beibehalten. Mit 20 Jahren tritt sie bei den Buddenbrooks ein (diese haben sie auf einer Reise kennengelernt und halb aus Mitleid eingestellt, da ihr Vater kurz zuvor verstorben ist). Ida ist der Familie fortan treu ergeben, auch wenn Johann Buddenbrook d. Ă. eine Abneigung gegen die âPreuĂinâ hat. Zunächst erzieht Ida die Kinder von Jean und Betsy Buddenbrook, später fĂźhrt sie die Aufsicht Ăźber den Haushalt der verwitweten Konsulin. Nach der Geburt von Hanno wird sie auch dessen Kindermädchen und erzählt ihm die gleichen Geschichten, die bereits sein Vater und dessen Geschwister zu hĂśren bekommen haben â u. a. von ihrem Onkel, der am âSchluckauf gestorbenâ ist. Sie besitzt ein ausgeprägtes Standesbewusstsein und achtet sehr darauf, dass die Kinder der Buddenbrooks sich nur mit ebenbĂźrtigen Spielkameraden abgeben: Auch sie selbst lehnt es ab, mit den Angestellten der weniger vornehmen Familien zu sprechen. Als Tony sich nicht zur Heirat mit Bendix GrĂźnlich entscheiden kann, rät Ida ihr zu: Tony mĂźsse keine Angst haben, sie bleibe ja in den ersten Kreisen. GekĂźndigt wird ihr nach Thomas Buddenbrooks Tod von Gerda Buddenbrook, woraufhin sie in ihre westpreuĂische Heimat zurĂźckkehrt.
Ida Jungmanns Vorbild in der Familie Mann hieĂ Ida Buchwald.
Therese (Sesemi) Weichbrodt
Therese Weichbrodt, die von allen Sesemi genannt werden mĂśchte, ist die Leiterin des lokalen Mädchenpensionats, in dem Tony Buddenbrook und Gerda Arnoldsen aus Amsterdam einige Jahre verbringen. Ihr aufrichtig gemeinter stereotyper Wunsch âSei glĂścklich, du gutes Kend!â gilt ironischerweise regelmäĂig denen, die im weiteren Verlauf ihres Lebens gerade nicht glĂźcklich werden. Ihr widmet Thomas Mann die letzten Worte seines Romans, mit denen er ein beeindruckendes, freilich wieder ironisch gebrochenes tableauartiges Schlussbild von ihr zeichnet:
Auf Tony Permaneders zweifelnde Frage, ob man sich dereinst im Jenseits wiedersehen werde, âkam Sesemi Weichbrodt am Tisch in die HĂśhe, so hoch sie nur irgend konnte. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, reckte den Hals, pochte auf die Platte, und die Haube zitterte auf ihrem Kopfe. 'Es ist so!' sagte sie mit ihrer ganzen Kraft und blickte alle herausfordernd an. Sie stand da, eine Siegerin in dem guten Streite, den sie während der Zeit ihres Lebens gegen die Anfechtungen von seiten ihrer Lehrerinnenvernunft gefĂźhrt hatte, bucklig, winzig und bebend vor Ăberzeugung, eine kleine, strafende, begeisterte Prophetin.âcite-ref-53[53] Bei Therese lebt ihre verwitwete Schwester, Madame Kethelsen, der sich Sesemi Ăźberlegen fĂźhlt. Sie weist immer wieder darauf hin, ihre Schwester habe ja nie einen ernsthaften Kampf gegen die Anfechtungen des Daseins zu bestehen gehabt und sei daher ein naives Kind geblieben. Die Figur der Therese Weichbrodt ist angelehnt an Therese Bousset, Leiterin und Inhaberin eines Mädchenpensionats in LĂźbeck, in dem unter anderem Julia da Silva-Bruhns, die Mutter von Thomas und Heinrich Mann, nach dem Tod ihrer Mutter unterrichtet wurde.cite-ref-wysling-54-0[54]cite-ref-ehrmann-k-pke-55-0[55]
Anna (Iwersen)
Anna (Geburtsname unbekannt, später verheiratete Iwersen) arbeitet als Blumenverkäuferin in einem kleinen Geschäft in der Fischergrube. Sie ist die frĂźhe Geliebte von Thomas Buddenbrook. Sie wird als âwunderbar hĂźbschâ, âzart wie eine Gazelleâ und mit âbeinahe malaiischen Gesichtstypusâ beschrieben. Thomas lĂśst die unstandesgemäĂe Verbindung, als er fĂźr einen längeren Aufenthalt nach Amsterdam geht. Bei einer späteren Begegnung, als Thomas bereits mit Gerda und Anna mit dem Sohn ihrer Arbeitgeberin verheiratet ist, lassen beide sich nicht mehr anmerken, was sie einmal verbunden hat. Anna erweist sich â im Gegensatz zu Gerda â als äuĂerst fruchtbare Frau. Sie bringt mehrere gesunde Kinder auf die Welt. Thomasâ neues Haus liegt, womĂśglich nicht ganz zufällig, dem Blumenladen gegenĂźber.
Das Blumenmädchen Anna stellt scheinbar nur eine Nebenfigur im Roman und im Leben des Thomas Buddenbrook dar. Doch an kaum einer anderen Stelle des Romans zeigt sich Thomas Buddenbrook zugeneigter, unverstellter und unmittelbarer als in dieser Liebe. Anna hat Thomas nie vergessen- als er aufgebahrt im Sarg liegt und sie Blumen abliefert, bittet sie darum, den Toten sehen zu dßrfen und ist ergriffen von seinem Anblick.
Edmund PfĂźhl
Der âweithin hochgeschätzte Organistâ der Marienkirche, bekannt fĂźr seine âkontrapunktische Gelehrsamkeitâ, ist von strengem Charakter, aber weichem ĂuĂeren: ein träumerisch blickender, âvierschrĂśtiger Musikantâ mit riesigem Kehlkopf, gebauschtem Schnurrbart und erstaunlicher LĂśckchenperĂźcke. Einmal wĂśchentlich kommt er zu Besuch, um Gerdas Geigenspiel am FlĂźgel zu begleiten. Obwohl als Beethoven- und Bach-Verehrer zunächst ein erbitterter Gegner der neuen Musik von Richard Wagner, gibt er doch, der Senatorin zuliebe, bald seinen Widerstand auf, lässt sich Ăźberreden, den âLiebestodâ aus Tristan und Isolde fĂźr Violine und Klavier umzuschreiben und kann sich schlieĂlich sogar bedingungslos fĂźr die Meistersinger begeistern. PfĂźhl fĂźgt schlieĂlich sogar einem von ihm verfassten musiktheoretischen Werk ein Kapitel Ăźber Richard Wagner an.
Dem kleinen Hanno, dessen Klavierlehrer er wird, erscheint er âwie ein groĂer Engel, der ihn jeden Montagnachmittag in die Arme nahm, um ihn aus aller alltäglichen Misere in das klingende Reich eines milden, sĂźĂen und trostreichen Ernstes zu fĂźhrenâ. Von ihm lernt Hanno âin leicht faĂlicher Form [âŚ] die Grundlagen der Harmonielehreâ. Die beiden amĂźsieren sich im sonntäglichen Gottesdienst gemeinsam Ăźber die musikalische Unwissenheit ihrer MitbĂźrger, die ein besonders kompliziertes MusikstĂźck nicht zu wĂźrdigen wissen. Doch zeigen Hannos erste eigene Kompositionen mit ihrer Vorliebe fĂźr theatralische Phantasien und Tremolos, wie der kindliche SchĂźler sich schon bald von seinem klassischen Meister entfernt und in â ganz offenkundig seiner Mutter abgelauschte â wagnereske Gefilde abdriftet.
Leutnant RenĂŠ Maria von Throta
Leutnant von Throta ist ein junger, gänzlich unmilitärischer Offizier mit schwarzen Haaren und schwärmerischen Augen, dessen Sinn ganz der Musik zugewandt ist. Er spielt âKlavier, Geige, Bratsche, Violoncello und FlĂśte â alles vortrefflichâ und sorgt in den gemeinsamen intimen Musikstunden mit Gerda Buddenbrook dafĂźr, dass ihr Verhältnis die âverstaubte Menschenkenntnis [und] bescheidene Phantasie [der] Leuteâ zu der allgemeinen Annahme fĂźhrt, âes kĂśnne wohl nicht anders sein, als daĂ die schĂśne Gerda ihren alternden Mann nun ein wenig betrĂśgeâ, sodass man sich schnell darĂźber einig ist, dass die Senatorin âgelinde gesagt, die Grenzen des Sittsamen Ăźberschrittâ. Thomas Buddenbrook kennt diese GerĂźchte, hat aber nicht die Kraft, die Besuche des Leutnants in seinem Haus zu unterbinden.
Konsul Peter DĂśhlmann
Konsul Peter DĂśhlmann ist eigentlich Kaufmann, vernachlässigt aber die von seinem Vater ererbte Holzhandlung vollkommen. Seine Frau und er leben getrennt, trotz ihrer gemeinsamen Tochter. DĂśhlmann gehĂśrt dem Klub an, den auch Christian später besucht und hat ebenfalls eine Vorliebe fĂźr das Theater sowie Verhältnisse mit Schauspielerinnen. In der Gesellschaft ist er trotzdem beliebt, da er als Original gilt und einen zuweilen etwas groben Humor besitzt, allerdings nimmt ihn niemand ernst. Im Alter ruiniert DĂśhlmann seine Gesundheit, da er ĂźbermäĂig viel Hunyadi JĂĄnos Wasser (ein AbfĂźhrmittel) trinkt. Nach seinem Tod ist vom VermĂśgen der Familie nichts mehr Ăźbrig, so dass seine Tochter von der Ăśffentlichen ArmenfĂźrsorge untergebracht werden muss. Peter DĂśhlmann ist durch sein Privatleben und seine nicht weniger chaotischen wirtschaftlichen Verhältnisse das Musterbeispiel fĂźr einen Suitier, er hat viele Eigenschaften und Angewohnheiten, die später auch Christian Buddenbrook auszeichnen.
Sigismund Gosch
Zu den skurrilen Figuren im Roman gehĂśrt Sigismund Gosch, von Beruf Immobilienmakler. Gosch, bei seinem ersten Auftreten etwa vierzig Jahre alt, ist Junggeselle, verkehrt gelegentlich mit den Mitgliedern des Klubs, ist aber kein Suitier. Er benimmt sich stets äuĂerst pathetisch, selbst alltägliche Begebenheiten wie der Verlust einer nicht besonders groĂen Geldsumme an der BĂśrse werden von ihm ausgeschmĂźckt und zum Anlass fĂźr theatralische Auftritte genutzt. Auch geht er immer dunkel gekleidet, mit einem langen schwarzen Umhang und einem Jesuitenhut. Der HĂśhepunkt seines Lebens war die Revolution 1848, wo er an der Seite Jean Buddenbrooks stand, als dieser die aufgewiegelten Arbeiter beruhigte. Obwohl das Ereignis vĂśllig harmlos verlief, stellt Gosch es immer so dar, als seien der Konsul und er nur knapp der Ermordung durch die erregten Volksmassen entgangen. Gosch ist sehr am Theater interessiert, auch fĂźr Literatur kann er sich begeistern. In der Stadt wird erzählt, er arbeite an einer Ăbersetzung sämtlicher Dramen von Lope de Vega. Trotz seines seltsamen Benehmens und seiner literarischen Interessen ist er ein geachteter und durchaus tĂźchtiger Geschäftsmann. Gerda Buddenbrook fasziniert ihn ungemein, aber er wagt nicht, sie anzusprechen. Erst kurz vor ihrem Wegzug kommt er mit ihr in Kontakt, als er Ăźber den Verkauf des Hauses mit ihr verhandelt.
Rieckchen Severin
Sie ist die Nachfolgerin von Ida Jungmann als Hauswirtschafterin der verwitweten Konsulin Buddenbrook. Anders als Ida ist sie der Familie jedoch ganz und gar nicht treu und selbstlos ergeben: Nach dem Tod der Konsulin bedient sie sich ungeniert aus deren Nachlass und duldet zudem, dass auch die Ăźbrigen Dienstboten Wäsche und Kleider an sich nehmen. Dies trägt ihr den Hass von Tony ein, während Thomas resigniert meint, dass solches Verhalten unausweichlich bei der AuflĂśsung eines Haushalts sei, in dem âein biĂchen lax regiertâ wurde. Die mangelnde Loyalität der Angestellten, aber auch der Verlust der Autorität Ăźber die Dienstboten gehĂśren offenkundig ebenfalls zu den Zeichen des Verfalls.
Marcellus Stengel
Er gehĂśrt zu den originellsten Figuren des Romans; schon seine äuĂerliche Erscheinung mit PerĂźcke, grotesk groĂem Adamsapfel und gespitzten Bleistiften, die aus seinen Rocktaschen schauen, lässt ihn als skurriles Original erscheinen. Seltsame AussprĂźche geben Anlass zu Witzen. Besonders Christian Ăźbt sich frĂźh darin, ihn zu imitieren und redet auch als Erwachsener oft stundenlang in Stengels Sprache. Als Lehrer am Gymnasium unterrichtet Stengel im Zeichnen und in Gesang, also âlustigen Fächernâ. GroĂe Autorität bei seinen SchĂźlern genieĂt er nicht. So begehen Christian Buddenbrook, Justus KrĂśger und Stephan Kistenmaker (die späteren Suitiers) in seinem Unterricht regelmäĂig Streiche, weshalb Stengel sie nach Schulschluss zur Strafe zu sich nach Hause bestellt â wo er dann aber freundlich mit ihnen Kaffee trinkt. Ganz im Gegensatz zu Hannos Lehrern, die als brutal und streng beschrieben werden, ist Stengel eigentlich ein Menschenfreund, der Verständnis fĂźr seine SchĂźler hat und Ăźber ihre Fehler groĂzĂźgig hinwegsieht.
Hugo Weinschenk
Hugo Weinschenk, der Ehemann von Erika GrĂźnlich, der Tochter Tonys, stammt aus Schlesien und ist Direktor der städtischen Feuerversicherung. Er kommt mit den Buddenbrooks in Kontakt, als Thomas die Kontore der Firma in sein 1864 bezogenes neues Haus verlegt und die Versicherungsgesellschaft die alten Kontorräume im MengstraĂenhaus mietet, wo Tony mit ihrer Tochter bei der verwitweten Konsulin lebt. Tony ist Ăźber ihren Schwiegersohn, der fast doppelt so alt ist wie ihre Tochter, durchaus erfreut, da sie die Hoffnung hat, durch eine angemessene Verheiratung Erikas kĂśnnte ihr eigenes Scheitern wieder wett gemacht werden. In Wirklichkeit ist Hugo Weinschenk jedoch nicht ganz so standesgemäĂ: Er stammt aus recht einfachen Verhältnissen und ist lediglich ein Selfmademan. Dies wirkt sich in ziemlich ungeschliffenen Manieren aus, beispielsweise tauscht er mit seiner kĂźnftigen Frau schon während der Hochzeitszeremonie Zärtlichkeiten aus oder erzählt beim Essen unappetitliche Anekdoten. Ăber diese Fehler kĂśnnte man zur Not hinwegsehen, doch 1870 kommt es noch schlimmer: Weinschenk hat durch betrĂźgerische RĂźckversicherungen andere Gesellschaften geschädigt und wird angeklagt. Zwar sind seine Machenschaften âUsancenâ, also nicht ganz legale, aber dennoch verbreitete Tricks, doch die Anklage (ausgerechnet durch Staatsanwalt Moritz HagenstrĂśm) verfolgt sie mit aller Härte. Weinschenk nimmt sich einen Verteidiger aus Berlin, ein laut Thomas unkluges Vorgehen, da die einheimischen Rechtsanwälte durch persĂśnliche Verbindungen eher Erfolg haben dĂźrften, und wird zu Haft verurteilt. So geschieht die Schande, dass ein Mitglied der Familie ins Gefängnis muss. Nach seiner vorzeitigen Entlassung 1873 reist Weinschenk nach London, da er sich in der Stadt nicht mehr sehen lassen kann. Er verspricht, Frau und Tochter nachzuholen, sobald er eine neue Existenz aufgebaut habe â doch seit diesem Zeitpunkt bleibt er verschwunden. Tony leitet eine (erfolglose) offizielle Suche ein, um schlieĂlich (erfolgreich) eine Scheidung ihrer Tochter wegen âbĂśswilligen Verlassensâ beantragen zu kĂśnnen.
Motive und Symbole
Verfall
Das Ăźbergreifende Motiv des Romans bezeichnet der Untertitel Verfall einer Familie. Von Generation zu Generation schwinden Tatkraft, Unternehmensgeist und Gesundheit. Dem Ăśkonomischen Niedergang der Firma Buddenbrook geht der Verlust von Vitalität und naiver Selbstsicherheit der Familienmitglieder voraus. Eine zunehmende Tendenz zur Vergeistigung untergräbt die Kaufmannsmentalität. Am Ende des Verfalls stehen Christian, der in eine psychiatrische Anstalt verbracht wird, und Hanno, der fĂźr Musik unter allen Buddenbrooks Empfänglichste. Er ist gänzlich unfähig, die väterliche Firma später einmal zu Ăźbernehmen, und stirbt bereits vor Vollendung des 16. Lebensjahrs â sein UrgroĂvater Johann Buddenbrook wird noch 77, sein GroĂvater Jean 55, sein Vater Thomas nur mehr 49 Jahre alt. In den Betrachtungen eines Unpolitischen bezeichnet der Autor seinen Hanno denn auch folgerichtig als den âdurch Entartung sublimierten und nur noch musikalischen Spätling des BĂźrgergeschlechtsâ.cite-ref-56[56]
Nach Thomas Mann schlieĂen sich LebenstĂźchtigkeit und seelisch-geistige Differenzierung aus.cite-ref-57[57] Diese Annahme folgt einer literarischen StrĂśmung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, fĂźr die Nietzsche den Begriff DĂŠcadence in den deutschen Sprachgebrauch eingefĂźhrt hat. Mann bezeichnet Nietzsche als den âunvergleichlich grĂśĂten und erfahrensten Psychologen der Dekandezâ. Wie sehr sich die Lehre vom pathologisch degenerativen Ursprung der Genialität damals verbreitete und bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs zum Modethema des Fin de Siècle wurde, beweist u. a. die Bibliographie, die der Psychiater Wilhelm Lange-Eichbaum 1928 in seinem Bestseller Genie â Irrsinn und Ruhm verĂśffentlichte.
Das Verfalls-Thema wurde vom âDreigestirn ewig verbundener Geisterâcite-ref-58[58] befĂśrdert, die vor allem in seiner Jugend Thomas Mann tief beeindruckten: Schopenhauer, Nietzsche und Wagner.cite-ref-59[59] Thomas Mann selbst betonte dies in seinen Betrachtungen eines Unpolitischen:
âNietzsche nannte Schopenhauer seinen groĂen Lehrer; welch ungeheueres GlĂźck fĂźr Wagner das Erlebnis Schopenhauers war, weiĂ der Erdkreis⌠Die drei sind eins⌠Wenn ich von Schopenhauer den Moralismus â ein populäreres Wort fĂźr dieselbe Sache lautet Pessimismus â meiner seelischen Grundstimmung habe, jene Stimmung von Kreuz, Tod und Gruft, die schon in meinen ersten Versuchen hervortrat, so findet sich diese ethische Luft, um mit Nietzsche zu reden, auch bei Wagner; in ihr steht ganz und gar sein riesenhaftes Werk, und ebensogut auf seinen EinfluĂ kĂśnnte ich mich berufen.âcite-ref-60[60]
Firma, Haus und groĂbĂźrgerliche Familie
Die Einheit, ja gleichsam Synonymität von Familie und Firma ist verankert in der Identität von Wohn- und Geschäftshaus. Erst Thomas Buddenbrook bricht mit dieser paradigmatischen Tradition von âwirtschaftlichem Unterbau und kulturellem Ăberbauâ.cite-ref-61[61] Gleichwohl bleibt das Haus in der MengstraĂe, das der Leser im ErĂśffnungskapitel kennenlernt, Zentrum der Familie, da es die verwitwete Mutter von Thomas Buddenbrook weiter bewohnt und die Familientreffen wie bisher dort stattfinden.
Die ideelle Bedeutung des Hauses fĂźr die Mitglieder der Familie Buddenbrook imitiert den Stellenwert fĂźrstlich-dynastischer Stammsitze fĂźr den Hochadel, wie ja auch die ständige RĂźckbesinnung auf die Reihe der Vorfahren einen adligen Stammbaum ersetzen soll. Die Handlung spielt in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, grĂśĂtenteils noch vor Bismarcks ReichsgrĂźndung 1871.
DarĂźber hinaus gibt es einen engen Zusammenhang zwischen der GrĂśĂe der Behausung des Firmenchefs und dem geschäftlichen Erfolg der Firma: Der rasante Aufschwung der Buddenbrooks endet mit dem Einzug ins groĂbĂźrgerliche MengstraĂenhaus, Jean Jacques Hoffstede trägt als Poet der Stadt bei der Einweihungsfeier Verse vor (I, 2., 6.),cite-ref-62[62]cite-ref-63[63] zu Beginn des Romans. In der Folgezeit kann die Familie ihr VermĂśgen zwar halten, aber nicht mehr nennenswert vergrĂśĂern. Der vorĂźbergehende Umzug der Familie des jungen Thomas Buddenbrook in ein einfacheres Haus in der Breiten StraĂe geht mit einem geschäftlichen Zwischenhoch einher. Nach der Ăbersiedlung in die prachtvolle neue Villa beschleunigt sich der Verfall zusehends. Als dann ausgerechnet der verhasste Konkurrent und EmporkĂśmmling Hermann HagenstrĂśm das Haus in der MengstraĂe kauft, ist Tony Buddenbrook auĂer sich und befĂźrchtet, dass in der Ăffentlichkeit der Eindruck entstehen kĂśnne, Buddenbrooks hätten abgewirtschaftet und seien von HagenstrĂśms verdrängt worden. Auch wenn Thomas ihr daraufhin klarzumachen versucht, dass doch die Bedeutung als Familiensitz und gesellschaftliches Zentrum längst auf sein neues Haus Ăźbergegangen wäre, erkennt der Leser, dass dieser Eindruck nicht vĂśllig falsch ist.
Die geschäftliche Tradition
âMein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, daĂ wir bey Nacht ruhig schlafen kĂśnnen.â Diese Maxime und Mahnung ist in der Chronik der Familiecite-ref-64[64] festgehalten. Als Verfasser wird der GroĂvater Jean genannt, der den Getreidehandel begrĂźndet hatte, eine Figur also, die vor der Romanhandlung lebte und nur im RĂźckblick erwähnt wird. Seine Nachkommen Johann Buddenbrook d. Ă. und Jean Buddenbrook halten sich an diesen Grundsatz und gehen keine Risiken ein. Thomas Buddenbrook riskiert als erster in der Generationsfolge ein Spekulationsgeschäft und scheitert. Mutlos geworden verpasst er geschäftlich den Anschluss und verfĂźgt schlieĂlich, dass die Firma nach seinem Tode aufgelĂśst werden soll, weil er erkennt, dass sein Sohn sich nicht zum Kaufmann eignet und die Tradition daher auf keinen Fall mehr fortsetzen wird.
Das Leben
Das Leben ist ein bevorzugtes Thema von Tony Buddenbrook. Ihre Behauptung, sie kenne âdas Lebenâ, widerlegt sie selbst durch ihre fehlgeschlagenen Ehen und mit einem geschäftlichen Ratschlag, der fĂźr die Firma katastrophale Folgen hat: der spekulative Kauf des PĂśppenrader Getreides vor Einbringung der Ernte.
Mit das Leben in Tonys Mund ironisiert der junge Thomas Mann einen zentralen Begriff Nietzsches, den er auch in einem Essay behandelt.
Musik
Bis auf Gerda und Hanno sind alle Mitglieder der Familie Buddenbrook unmusikalisch. Einzig Johann Buddenbrook der Ăltere hatte ab und an etwas FlĂśte gespielt. Musik und tätiges Leben werden als Gegensätze dargestellt. Der Musik wird eine unmoralische Kraft zugemessen, besonders der Musik Wagners. Der Klavierlehrer Hannos, Domorganist PfĂźhl, eingeschworen auf Bach und Beethoven, weigert sich zunächst entschieden,cite-ref-65[65] Gerdas Bitte nachzukommen und mit ihr StĂźcke von Richard Wagner zu spielen:
âIch spiele dies nicht, gnädige Frau, ich bin ihr ergebener Diener, aber ich spiele dies nicht. [âŚ] Dies ist das Chaos! Dies ist Demagogie, Blasphemie und Wahnwitz! Dies ist ein parfĂźmierter Qualm, in dem es blitzt. Dies ist das Ende der Moral in der Kunst!â
Später erliegt er doch der Musik Wagners, dem âLeben und Weben der Leitmotiveâ.cite-ref-66[66]
Hanno Buddenbrook erbt die Musikalität seiner Mutter und beginnt mit acht Jahren zu komponieren.
Farben: Blau und Gelb
Durch den gesamten Roman zieht sich die konsequente Erwähnung der Farben Blau und Gelb, die nicht nur in Thomas Manns ausfßhrlichen Erstbeschreibungen von Personen und Szenarien zum Tragen kommen, sondern auch in leitmotivischer Intention wiederholt werden. Dies legt die Vermutung nahe, dass sie eine zentrale Rolle im Buch spielen, also eng verknßpft sind mit dem Hauptproblem, dem Verfall der Familie Buddenbrook und gesellschaftlicher Umschichtung im Allgemeinen.
Innerhalb der Linie der erstgeborenen männlichen Buddenbrooks zeigt sich, dass die Farbe Blau in Zusammenhang mit jener Entwicklung steht, die sich in den buddenbrookschen Nachkommen zeigt. Mit dem Verfall ist aber bei der Verwendung der Farbe Blau als Leitmotiv immer auch ein Aspekt der Verfeinerung verbunden, insbesondere bei Thomas, Gerda und Hanno. Meist werden âkĂźnstlerischeâ Organe wie Augen, Hände oder die Schläfen als âbläulich umschattetâ bezeichnet. AuĂerhalb der Linie der Erstgeborenen steht Blau fĂźr allgemeines Scheitern und negative EinflĂźsse auf die Familie Buddenbrook und tritt bei anderen Personen und in der Natur auf.
Im Gegensatz zur blauen Farbe weist Gelb auf Tradition, Stärke, Hoffnung und Aufschwung hin. Auch diese Farbe tritt sowohl in direkter Nähe zu den Buddenbrooks (Einrichtung ihres Hauses und ihres Gartens) als auch auĂerhalb der Familie (z. B. einfaches Volk, aufstrebendes BĂźrgertum und Haus der BĂźrgerschaft) auf. AuĂerhalb der Familie Buddenbrook steht die Farbe Gelb fĂźr Solidität und Konstanz.
Die Farbe Gelb kann alternativ ebenfalls als leitmotivisch fĂźr das Negative angesehen werden, ist aber â im Gegensatz zu Blau â nicht mit kĂźnstlerischen Kategorien verbunden: Die Farbe Gelb tritt in der Einrichtung des âLandschaftszimmersâ in den Vordergrund, ausdrĂźcklich werden die gelblichen Sonnenuntergänge erwähnt. In diesem Zimmer versammeln sich die Buddenbrooks zu Beginn des Romans. Bei seinem Tod ist Lebrecht KrĂśgers Gesicht âgelb und von schlaffen Furchen zerrissenâ, gleichermaĂen gelblich wirken Konsul und Konsulin im Tode. Das neugeborene Kind Clara (sie wird als junge Frau an Tuberkulose versterben) hat âgelbe, runzlige Fingerchenâ. Die Romanze zwischen Tony Buddenbrook und Morten Schwarzkopf steht unter âgelbenâ Vorzeichen; der Leuchtturm ist gelb, die Abhänge aus gelbem Lehm, das Seegras gelbgrĂźn, die Quallen rotgelb. GrĂźnlichs âgoldgelbe Favorisâ werden vielfach zitiert. Das Licht in Hannos Zimmer in TravemĂźnde ist âgelblichâ, er schläft in einem âgelbhĂślzernenâ Bett. Die Ernte von PĂśppenrade ist âgelbreifâ. Nach dieser Interpretation ist âGelbâ eindeutig dem Scheitern, dem Versagen zugeordnet und hat keine positive Assoziation.
Hände
Die Hände der Romanfiguren spielen im Buch eine wichtige Rolle. GrĂźnlich hat âlange, weiĂe (âŚ) von bläulichen Adern durchzogeneâ Hände, Permaneder âweiĂe, feisteâ Hände. Die stärkeren Familienmitglieder der frĂźhen Generationen haben weiĂe Hände (Johann, Konsulin, Tony), kurzfingrig und zum Musizieren ungeeignet.
Besonders auffällig und ungewĂśhnlich sind Hannos Hände: Gerda Buddenbrook behauptet im Gespräch mit Hannos kĂźnftigem Klavierlehrer PfĂźhl âdie Buddenbrooks kĂśnnen alle Nonen und Dezimen greifenâ. Die Familienmitglieder der zweiten Generation verfĂźgen also bereits Ăźber die kĂśrperlichen Voraussetzungen zum KĂźnstlertum, setzen diese Fähigkeit aber nicht ein: âAber sie haben noch niemals Gewicht darauf gelegt.â
In Hanno Buddenbrook vereinigen sich schlieĂlich Veranlagung und Physis in der Person des KĂźnstlers.
Protestantische Ethik
Besondere Bedeutung fßr die Interpretation des Romans hat die Frage, wie sehr Mann hier, wie er selbst später schreibt, Gedanken ausfßhrt, die der Soziologe Max Weber in seiner Arbeit Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus wenige Jahre nach Erscheinen des Romans formuliert hat.
LĂźbeck
Obwohl der Roman LĂźbeck nicht nennt, ist Thomas Manns Vaterstadt anhand detaillierter Angaben unmissverständlich zu erkennen: Das Holstentor,cite-ref-67[67] Fischergrube und MengstraĂe, die fĂźr LĂźbeck typischen StraĂenbezeichnungen Gruben und Twieten, die Trave, TravemĂźnde und die StraĂe dorthin, Schwartau mit Erwähnung des Schwartauer Marktplatzes mit dem âSchwartauer Pfefferkuchenhausâ, die âWilhelmsquelleâ im Riesebusch sowie Angaben zur Stadtgeschichte.
Buddenbrooks als zeitgeschichtliche Darstellung
Im Hintergrund spiegelt der Roman Aspekte der deutschen Geschichte wider, vor allem fängt er den Zeitgeist zwischen 1835 und 1877 in einer âmittelgroĂen Handelsstadtâ an der Ostsee aus groĂbĂźrgerlicher Sicht ein.
Die Revolution 1848
Die Erzählinstanz in den Buddenbrooks nimmt weder die Revolution von 1848 ernst, noch âdas Volkâ. Die 1848er-Revolution fand im Roman nicht im FrĂźhjahr, sondern am 1. Oktober 1848 statt.
Trine, die KĂśchin im Hause Buddenbrook, unterhält zum Verdruss ihrer Herrschaft âeine Art von geistigem BĂźndnis mit einem Schlachtergesellen, und dieser ewig blutige Mensch muĂte die Entwicklung ihrer politischen Ansichten in der nachhaltigsten Weise beeinfluĂt haben.â Auf einen Verweis der Hausherrin âhatte sie die nackten Arme in die HĂźfte gestemmt und sich wie folgt geäuĂert: âWarten Sie mal bloĂ, Frau Konsulin, dat duert nu nich mehr lange, denn kommt ne annere Ordnung in de Saak; denn sitt ich doar upâm Sofa inâ sieden Kleed, un Sei bedeinen mich denn âŚâ â Selbstverständlich war ihr sofort gekĂźndigt worden.â
Demonstranten sind im Hause zu hĂśren als âeine Art von ĂźbermĂźtigen Johlen, Pfeifen und [dem] Gestampf vieler Schritte auf der StraĂe.â Die Schaufensterscheibe des Tuchhändlers Benthin war âvermittels Steinwurfâ zertrĂźmmert worden, âwobei Gott allein wuĂte, was das Fenster des Herrn Benthin mit der hohen Politik zu tun hatte.â
Vor dem Versammlungssaal der BĂźrgerschaft angekommen, stimmen die Demonstranten âein ausgelassenes, unsinniges und betäubendes Hoh- und HĂśhgeheulâ an. Konsul Buddenbrook tritt ihnen entgegen. Er spricht einen 22-jährigen Lagerarbeiter seiner Firma an, der in vorderster Reihe steht:
âNu redâ mal, Carl Smolt! Nu isâ Tied! Ji heww hier den leewen langen Namiddag brĂślltâ [âŚ] Smolt, wat wull Ji nu eentlich! Nu seggen Sei dat mal!â
âJe, Herr Kunsel, ick seg man bloĂ: wi wull nu âne Republike, seg ick man bloĂ âŚâ
âĂwer du DĂśskopp ⌠Ji heww ja schon een!â
âJe, Herr Kunsel, denn wull wi noch een.â
Darauf brechen âRevolutionäreâ und Vertreter der BĂźrgerschaft in Gelächter aus â die Revolution hat sich ad absurdum gefĂźhrt.
Jean Buddenbrook und Smolt meinen mit âRepublikâ etwas Verschiedenes. Ein Mann wie Smolt denkt an die soziale Republik.cite-ref-68[68] FĂźr Jean Buddenbrook sind die ständisch geprägte BĂźrgerschaft und der Senat der Freien Stadt LĂźbeck republikanisch.
FĂźr die Familie der Buddenbrooks bleibt die kleine Revolte nicht ohne Opfer: In Jean Buddenbrooks Gegenwart bricht sein Schwiegervater Lebrecht KrĂśger (den das aufrĂźhrerische Verhalten der âCanailleâ Ăźber alle MaĂen empĂśrt hat) auf der Heimfahrt in seiner Kutsche von einem âganz harmlosen Feldsteinâ aus der Menge getroffen zusammen und stirbt. â Auch dieses Ereignis lässt sich auf Thomas Manns Familiengeschichte zurĂźckfĂźhren: Sein UrgroĂvater, Johann Siegmund Mann sen., soll aus Ărger Ăźber die Revolte an einem Schlaganfall verstorben sein.
Das Schulsystem
Thomas und Christian Buddenbrook besuchen noch die liberale Alte Schule, eine ehemalige Klosterschule â gemeint ist hier das von Thomas Mann zeitweilig besuchte Katharineum zu LĂźbeck, das altsprachliche Gymnasium in der KĂśnigstraĂe â, mit âvortrefflichen Gelehrtenâ, wie dem Musik- und Kunstlehrer Marcellus Stengel und dem Latein unterrichtenden Pastor Hirte.cite-ref-69[69] Beide werden, wie der âhumane, tabakschnupfende alte Direktorâ, im dritten Kapitel des zweiten Buches charakterisiert als âharmlose und gutmĂźtige Leute, einig in der Ansicht, daĂ Wissenschaft und Heiterkeit einander nicht ausschlĂśssenâ. Die Vertreter der nächsten Generation dagegen, Hanno und sein Freund Kai Graf MĂślln, stehen später unter der strengen Aufsicht des furchterregenden Schulleiters Wulicke,cite-ref-70[70] der wie der alttestamentliche Gott Ăźber seine ZĂśglinge waltet und unnachsichtig fĂźr Zucht und Ordnung sorgt. Kurt Tucholsky hat das diesbezĂźgliche Kapitel des Romans (XI/2) als beste Beschreibung des preuĂischen Schulwesens bezeichnet.
Entwicklungsstand der Medizin
An vielen Stellen im Roman spielen Medizin (wie später auch in Der Zauberberg) und Zahnmedizin eine Rolle. Die Leistung der Ărzte zu dieser Zeit besteht mehr im Erkennen der Prognosecite-ref-71[71] und einer Behandlung der Symptome, als in einer kausalen Therapie. Besonders eindringlich geschildert ist die Agonie der an LungenentzĂźndung erkrankten Konsulin, der man die erflehte Sterbehilfe verweigert.
Der Zahnarzt Brecht leidet sichtbar mit seinen Patienten und fĂźrchtet sich davor, Zähne zu extrahieren. Nachdem ihm bei Thomas eine Zahnextraktion (in dieser Zeit noch ohne Betäubung) missglĂźckt war, âlehnte er am Instrumentenschrank, [und] sah aus wie der Tod.â Diese Unprofessionalität entlarvt ihn als Pfuscher. Nach diesem schweren Eingriff erleidet Thomas Buddenbrook auf dem Heimweg einen Schlaganfall (siehe Buddenbrook-Syndrom), den er bei getrĂźbtem Bewusstsein und unfähig zu sprechen nur wenige Stunden Ăźberlebt.
Rezeption
Theater
Die erste bekannte Inszenierung der âBuddenbrooksâ war eine LiebhaberauffĂźhrung durch LĂźbecker BĂźrger, darunter Verwandte Thomas Manns, die 1928 auf der Diele des Hauses MengstraĂe 4 stattfand.cite-ref-72[72]
1976 inszenierte Hans Hollmann am Basler Theater âDie Buddenbrooksâ an zwei Abenden. 2005 wurde der Roman fĂźr die TheaterbĂźhne vom Dramaturgen und Schriftsteller John von DĂźffel dramatisiert (ein Abend, etwa drei Stunden). Das StĂźck stellt die unterschiedlichen Lebenswege und Schicksale Thomasâ, Christians und Tonys in den Mittelpunkt. Die UrauffĂźhrung wurde am Thalia-Theater (Hamburg) von Stephan Kimmig inszeniert und hatte am 3. Dezember 2005 Premiere. 1 ½ Jahre hatte von DĂźffel an der Bearbeitung gearbeitet. Die Ăśsterreichische ErstauffĂźhrung fand am 25. September 2008 im Theater in der Josefstadt statt.
Am 12. Mai 2007 hatte das StĂźck im DĂźsseldorfer Schauspielhaus Premiere.cite-ref-73[73] Am Theater LĂźbeck hatte die DĂźffelâsche Fassung der Buddenbrooks am 29. September 2007 ihre Premiere, inszeniert vom neuen Schauspieldirektor Pit Holzwarth. Die âRĂźckkehrâ der Buddenbrooks in ihren Handlungsort brachte ausnahmslos ausverkaufte AuffĂźhrungen und mehrere Zusatzvorstellungen.
Im August 2021 nahm das Wiener Theaterensemble Nesterval den Roman als Vorlage fĂźr sein immersives StĂźck âSex, Drugs & Budd'n'Brooksâ, das in Hamburg beim Kampnagel Sommerfestival Premiere hatte.cite-ref-74[74] Eine Wiener Version von âSex, Drugs & Budd'n'Brooksâ wurde im Juli 2022 im Wiener Prater gezeigt. Die Handlung des Romans wurde dabei ins Entertainment-Business verlegt.cite-ref-75[75]cite-ref-76[76]
Am 24. April 2022 hatte âBuddenbrooksâ in einer Theaterfassung von Beate Seidel und Christian Weise am Nationaltheater Weimar Premiere.cite-ref-77[77]
Am 4. Mai 2024 wurde eine Opernfassung "Buddenbrooks" (Musik: Ludger Vollmer, Libretto: Feridun Zaimoglu und GĂźnter Senkel nach Thomas Mann) am Theater Kiel uraufgefĂźhrt.cite-ref-78[78]
Literatur
Textausgaben, kommentierte Ausgaben
⢠Thomas Mann. Buddenbrooks. Verfall einer Familie. S. Fischer Verlag, Berlin 1901, 2 Bde. 566 S., 539 S.
⢠Buddenbrooks. Frankfurter Ausgabe. Herausgegeben und kommentiert von Peter de Mendelssohn, S. Fischer, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-10-048222-0.
⢠Buddenbrooks. GroĂe kommentierte Frankfurter Ausgabe, Band 1/1â2. S. Fischer, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-10-048312-X.
HĂśrbuch
⢠Thomas Mann. Buddenbrooks. (fast) Ungekßrzte Ausgabe, gelesen von Gert Westphal. Norddeutscher Rundfunk 1979/80, Deutsche Grammophon 2001, 22 CD, 28 Std., ISBN 3-8291-1148-7.
Sekundärliteratur
Ăber Buddenbrooks
⢠Andreas BlĂśdorn: Thomas Mann: Buddenbrooks. In: Andreas BlĂśdorn/Friedhelm Marx (Hrsg.): Thomas Mann-Handbuch. Leben â Werk â Wirkung. Metzler Verlag, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-476-02456-5, S. 13â25.
⢠Thomas Brand: Thomas Mann: Buddenbrooks. KÜnigs Erläuterungen und Materialien (Bd. 264). Bange Verlag, Hollfeld 2002, ISBN 978-3-8044-1731-1.
⢠Manfred EickhĂślter: Das Geld in Thomas Manns âBuddenbrooksâ. Schmidt-RĂśmhild, LĂźbeck 2003.
⢠Ortrud Gutjahr (Hrsg.): Buddenbrooks: von und nach Thomas Mann. KÜnigshausen & Neumann, Wßrzburg 2006.
⢠Erich Heller: Pessimismus und Genialität. In: E.H.: Thomas Mann. Der ironische Deutsche. Suhrkamp, Frankfurt 1975 (1959), S. 9â60.
⢠Wolfgang Kehn: Platz 6. Thomas Mann: Buddenbrooks. In: Christoph JĂźrgensen (Hrsg.): Die LieblingsbĂźcher der Deutschen. Verlag Ludwig, Kiel 2006, ISBN 3-937719-34-2, S. 239â263.
⢠Dirk Kemper: Erzähltheorie und Deixis. Das Sprachporträt des âBuddenbrooksâ-Erzählers. In: Weimarer Beiträge 68, 2022, 2, S. 256â271.
⢠Bernd M. Kraske: Revolution und Schulalltag in Thomas Manns âBuddenbrooksâ. Verlag Literarische Tradition, ISBN 978-3-930730-24-7.
⢠Heide Lutosch: Ende der Familie â Ende der Geschichte. Zum Familienroman bei Thomas Mann, Gabriel Garcia MĂĄrquez und Michel Houellebecq. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89528-624-7.
⢠Nicole Mattern/Stefan Neuhaus (Hrsg.): Buddenbrooks-Handbuch. Metzler, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-476-04649-9.
⢠Ken Moulden, Gero von Wilpert (Herausgeber): Buddenbrooks-Handbuch. KrÜner, Stuttgart 1988, ISBN 3-520-81601-6.
⢠Andreas Urs Sommer: Der Bankrott âprotestantischer Ethikâ: Thomas Manns âBuddenbrooksâ. Prolegomena einer religionsphilosophischen Romaninterpretation. In: Wirkendes Wort. Deutsche Sprache und Literatur in Forschung und Lehre. Jg. 44 (1994), S. 88â110.
⢠Rolf Thiede: Stereotypen vom Juden. Die frĂźhen Schriften von Heinrich und Thomas Mann. Zum antisemitischen Diskurs der Moderne und seiner Ăberwindung. Metropol, Berlin 1998 (Buddenbrooks als antisemitischer Roman).
Von Thomas Mann und Mitgliedern der Familie Mann Ăźber die Familie Mann
⢠Thomas Mann: Ăber mich selbst. Fischer, Frankfurt 1994, ISBN 3-596-12389-5.
⢠Thomas Mann: Selbstkommentare: Buddenbrooks. Fischer, Frankfurt 1989.
⢠Viktor Mann: Wir waren fßnf. Fischer, Frankfurt 2001, ISBN 3-596-12275-9.
Von anderen Verfassern Ăźber die Familie Mann
⢠Klaus Harpprecht: Thomas Mann â Eine Biographie. Rowohlt, Reinbek 1996, ISBN 3-498-02873-1, als Taschenbuch ISBN 3-499-13988-X.
⢠Marcel Reich-Ranicki: Thomas Mann und die Seinen. Fischer, Frankfurt a. M. 1994.
⢠Helmut Koopmann: Thomas Mann â Heinrich Mann. Die ungleichen BrĂźder. C. H. Beck, MĂźnchen 2005, ISBN 3-406-52730-2.
Literarische Ergänzung
Ludwig Ewers, ein Freund Thomas Manns, verĂśffentlichte 1926 ein Buch unter dem Titel Die GroĂvaterstadt, eine Art Ergänzung zu den Buddenbrooks, da es zur selben Zeit und in derselben Stadt, aber auf einer anderen sozialen Ebene spielt.
Filme
⢠1923: Stummfilm Buddenbrooks Regie: Gerhard Lamprecht, mit Peter Esser (Thomas), Mady Christians (Gerda), Alfred Abel (Christian), Charlotte BÜcklin, Hildegard Imhof und Ralph Arthur Roberts, Buddenbrooks bei IMDb
⢠1959: Kinofilm Buddenbrooks, Regie: Alfred Weidenmann, mit Liselotte Pulver, Nadja Tiller, HansjÜrg Felmy, Hanns Lothar, Robert Graf, Rudolf Platte, Lil Dagover, Gßnther Lßders, Gustav Knuth, Helga Feddersen und Werner Hinz, Buddenbrooks bei IMDb
⢠1979: Fernsehfilm Die Buddenbrooks, Regie: Franz Peter Wirth (Buch: Bernt Rhotert), mit Carl Raddatz, Volkert Kraeft, Gerd BÜckmann, Michael Degen, Reinhild Solf, Marion Kracht, Ursula Dirichs, Ruth Leuwerik und Martin Benrath, Die Buddenbrooks bei IMDb
⢠2008: Buddenbrooks, Kinofilm von Heinrich Breloer, mit Armin Mueller-Stahl (Konsul), Iris Berben (Konsulin), Jessica Schwarz (Tony), Mark Waschke (Thomas) und August Diehl (Christian)
⢠2025: Buddenbrooks - Thomas Mann und Lßbeck. Dokumentarfilm, Regie: AndrÊ Schäfer, Deutschland, NDR, 55 Minuten.
Wikiversity: Breloers BuddenbrooksâFilm - ein Beispiel fĂźr die Kluft zwischen Literatur und Film.
â Kursmaterialien
HĂśrspiel
⢠1965: Die Buddenbrooks â HĂśrspiel-Mehrteiler des HR. Bearbeitung (Wort): Anneliese Falck unter dem Pseudonym Palma.Regie: Wolfgang Liebeneiner; Erzähler: Gert Westphal; Johann Buddenbrook der Ăltere: Hans TĂźgel; Konsul Jean (Johann) Buddenbrook: Dieter Borsche; Bethsy (Elisabeth) Buddenbrook: Lil Dagover; Senator Thomas Buddenbrook: Wolfgang Liebeneiner; Tony (Antonie) Buddenbrook: Gisela Peltzer; Christian Buddenbrook: Horst Tappert; Gerda Buddenbrook: Gisela Zoch-Westphal; Hanno (Justus Johann Kaspar) Buddenbrook: Christian Born; Antoinette Buddenbrook: Lotte Brackebusch.
Weblinks
Commons
: Buddenbrooks
â Sammlung von Bildern und Audiodateien
⢠Zeitreise: 90 Jahre Literatur-Nobelpreis fßr Thomas Mann
⢠Buddenbrooks im Project Gutenberg (fßr Deutschland wegen Urheberrechtsverletzung gerichtlich untersagt)
⢠Jahreszahlen zur Familiengeschichte der Buddenbrooks
⢠Figurenlexikon zu Buddenbrooks von Eva D. Becker im Portal Literaturlexikon online
⢠Informationen zur Dauerausstellung Die âBuddenbrooksâ â ein Jahrhundertroman des Buddenbrookhauses in LĂźbeck
⢠Rainer Maria Rilkes Besprechung von Buddenbrooks vom 16. April 1902
⢠Artikel in Kindlers Neues Literaturlexikon
Wikiversity: ZeitgenĂśssische Buchgestaltungen von ÂŤBuddenbrooksÂť
â Kursmaterialien
Einzelnachweise
cite-note-11. â Hans Wysling. In: Thomas Mann Handbuch, hrsg. von H. Koopmann, 3. Auflage. A. KrĂśner, Stuttgart 2001, S. 363.
cite-note-22. â Vgl. Thomas-Mann-Handbuch, hrsg. von Helmut Koopmann, Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2005, S. 363.
cite-note-33. â âSchon in Palestrina hatte ich, nach eifrigen Vorarbeiten, Buddenbrooks zu schreiben begonnen. Ohne viel Glauben an die praktischen Aussichten des Unternehmens, mit jener Geduld, die meine natĂźrliche Langsamkeit mir auferlegte, einem Phlegma, das vielleicht richtiger bezähmte Nervosität zu nennen wäre, fĂźhrte ich die Erzählung in der Via Torre Argentina fort und nahm ein schon bedenklich angeschwollenes Manuskript mit nach MĂźnchen, wohin ich nach ungefähr einjähriger Abwesenheit denn doch zurĂźckkehrte.â Zitiert nach Thomas Mann: Ein Leben in Bildern, Artemis und Winkler-Verlag, 1994, S. 81.
cite-note-44. â Hans Wysling, Yvonne Schmidlin: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern. Artemis, ZĂźrich 1994, S. 81
cite-note-66. â Thomas Mann schreibt im LebensabriĂ (1930, S. 744): Ende 1900 (mit der Jahreszahl 1901) kamen Buddenbrooks heraus.
cite-note-77. â Wolfgang Mertz: Thomas Mann. Wirkung und Gegenwart; nach Hermann Kurzke: Thomas Mann: Epoche, Werk, Wirkung, S. 60
cite-note-99. â Dirk Scholten, GĂźnter Schumacher: EinFach Deutsch Unterrichtsmodelle: Thomas Mann: Buddenbrooks: Gymnasiale Oberstufe. Hrsg.: Westermann Bildungsmedien Verlag GmbH. SchĂśningh Schulbuchverlag, 2003, ISBN 978-3-14-022354-6, S. 176.
cite-note-1010. â Thomas Mann: Bilse und ich. In ders.: Gesammelte Werke in zehn Bänden. S. Fischer, Frankfurt/Main 1925, Bd. 9, S. 3â17, S. 17. Zum Bilse-Komplex vgl. Heinrich Detering: Thomas Mann oder LĂźbeck und die letzten Dinge. Buddenbrooks, Stadtklatsch, Bilse und ich. In: ders.: Herkunftsorte. Literarische Verwandlungen im Werk Storms, Hebbels, Groths, Thomas und Heinrich Manns. Boysens, Heide 2001, S. 166â193.
cite-note-1111. â LĂźbecker Bezeichnung fĂźr eine Hausangestellte, die der Hausherrin auf der StraĂe folgt bzw. hinter ihr gehend sie begleitet.
cite-note-1212. â Eine Ehe gegen den Widerstand der Eltern war zu dieser Zeit gleichbedeutend mit dem Bruch der FamilienzugehĂśrigkeit
cite-note-1313. â vermutlich ein zweisitziger Einspänner
cite-note-1414. â Nach dem Tode von Jean Buddenbrook hatte Thomas das Amt des niederländischen Konsuls ausgeschlagen und seinem Onkel Gotthold zukommen lassen. Nach dessen Tod waren Amt und Titel auf Thomas Ăźbergegangen.
cite-note-1515. â in der kaufmännischen Buchhaltung nur unter einer Endsumme zulässig
cite-note-1616. â Unehelich geborene Kinder erbten zu dieser Zeit nicht vom Vater, denn sie galten, wenn nicht legitimiert, als nicht mit ihm verwandt.
cite-note-1717. â eine mĂśblierte Mietwohnung
cite-note-1818. â Alois Permaneder war 1859 verstorben.
cite-note-1919. â Typhus geht mit hohem Fieber einher, das etwa acht Tage andauert, mitunter auch länger. In dieser Phase ist das Bewusstsein des Patienten getrĂźbt.
cite-note-2020. â Thomas Mann: In memoriam S. Fischer. In: Altes und Neues. Frankfurt am Main 1953, S. 720.
cite-note-2121. â Ăber die Kunst Richard Wagners. In: Thomas Mann: Rede und Antwort. S. Fischer, Berlin 1922, S. 360.
cite-note-2222. â Thomas Mann: EinfĂźhrung in den Zauberberg fĂźr Studenten der Universität Princeton. Vorwort der 142.â143. Aufl. 1939
cite-note-2323. â Ernst Keller: Leitmotive und Symbole. In: Buddenbrooks-Handbuch, hrsg. von Ken Moulden und Gero von Wilpert. A. KrĂśner, Stuttgart 1988, S. 133.
cite-note-2424. â Fatalerweise wird gerade das Element der Ironie bei Realisierungen des Romans auf dem Theater von den Regisseuren aus KĂźrzungsgrĂźnden oft bewusst weggelassen, wofĂźr es eklatante Beispiele gibt (z. B. NĂźrnberg, Regensburg 2009/2010)
cite-note-2525. â Hans-Peter Haack: Zweideutigkeit als System. Thomas Manns Forderung an die Kunst. # Zweideutigkeit als System - Thomas Manns Forderung an die Kunst
cite-note-2626. â Hans Wysling, Yvonne Schmidlin: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern. Artemis, ZĂźrich 1994, S. 78, 81; M. Swales: Humor und Ironie bei Fontane und Thomas Mann, in: Theodor Fontane und Thomas Mann, Die Vorträge des Internationalen Kolloquiums in LĂźbeck 1997, hrsg. von Eckhard Heftrich u. a., 1998
cite-note-2727. â Thomas Mann am 16. Februar 1904 an Eugen Kalkschmidt
cite-note-2828. â Die vier genannten Begriffe lassen sich mit wissenschaftlicher Schärfe voneinander unterscheiden (z. B. ist das Niederdeutsche aus GrĂźnden der Lautverschiebung kein Dialekt, sondern eher eine eigene Sprache), aber natĂźrlich sind die Ăbergänge flieĂend.
cite-note-2929. â Gero von Wilpert: Sprachliche Polyphonie: Sprachebenen und Dialekte. In: Ken Moulden, Gero von Wilpert: Buddenbrooks-Handbuch. KrĂśner, Stuttgart 1988, S. 145.
cite-note-3030. â Der Herr wird vorsorgen.
cite-note-3131. â Buddenbrooks, erster Teil, zweites Kapitel
cite-note-3232. â Buddenbrooks, fĂźnfter Teil, erstes Kapitel
cite-note-3333. â GroĂe kommentierte Frankfurter Ausgabe der Werke Thomas Manns, Kommentarband Buddenbrook, S. 571 ff.
cite-note-bb7-3-3434. â Buddenbrooks, siebenter Teil, drittes Kapitel
cite-note-bb5-8-3535. â Buddenbrooks, fĂźnfter Teil, achtes Kapitel
cite-note-3636. â Buddenbrooks, zweiter Teil, Schluss des zweiten Kapitels
cite-note-3737. â Buddenbrooks, zehnter Teil, sechstes Kapitel
cite-note-3838. â Vgl. zu diesem letzten Absatz Erich Heller: Thomas Mann. Der ironische Deutsche. 1975, S. 33â34.
cite-note-3939. â Buddenbrooks, fĂźnfter Teil, zweites Kapitel
cite-note-bb9-2-4040. â Buddenbrooks, neunter Teil, zweites Kapitel
cite-note-4141. â Hans Wysling, Ivonne Schmidlin: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern. Artemis, ZĂźrich 1994, S. 118.
cite-note-4242. â Hans Wysling, Ivonne Schmidlin: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern. Artemis, ZĂźrich 1994, S. 106, Bildlegende zu Christian Buddenbrook
cite-note-4343. â Erich Heller: Thomas Mann. Der ironische Deutsche. Suhrkamp, Frankfurt 1975 (1959), S. 35.
cite-note-4444. â Hans Wysling, Ivonne Schmidlin: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern. Artemis, ZĂźrich 1994, S. 104, Legende zur Abb.
cite-note-4545. â https:\www.thomasmann.de/werk/figuren aufgerufen am 11. August 2021
cite-note-4646. â Buddenbrooks, zehnter Teil, zweites Kapitel
cite-note-4747. â Universität des Saarlandes: Literaturlexikon online
cite-note-4848. â Alte Bezeichnung fĂźr Lebemann und LeichtfuĂ, die auch Goethe in Wilhelm Meisters Wanderjahre verwendet.
cite-note-bb9-4-4949. â Buddenbrooks, neunter Teil, viertes Kapitel
cite-note-5050. â Literaturlexikon Online: KĂślling, Pastor. Abgerufen am 17. Mai 2025.
cite-note-5151. â Buddenbrooks - Klarnamenverzeichnis. Abgerufen am 17. Mai 2025.
cite-note-5353. â Der Schluss lehnt sich an das Ende von Goethes âDie Wahlverwandtschaftenâ an.
cite-note-wysling-5454. â Thomas Sprecher, Cornelia Bernini (Hrsg.): Hans Wysling â Ausgewählte Aufsätze 1963â1995. Thomas-Mann-Studien, Dreizehnter Band, Vittorio Klostermann, Frankfurt/Main 1996, ISBN 3-465-02859-7, S. 143 (Google Books).
cite-note-ehrmann-k-pke-5555. â Bärbel Ehrmann-KĂśpke: âDemonstrativer MĂźssiggangâ oder ârastlose Tätigkeitâ?: handarbeitende Frauen im hansestädtischen BĂźrgertum des 19. Jahrhunderts. Internationale Hochschulschriften Band 546, Waxmann Verlag, MĂźnster 2010, ISBN 978-3-8309-2368-8, S. 201, FuĂnote 139 (Google Books).
cite-note-5656. â Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen. In: Gesammelte Werke in zwĂślf Bänden, Frankfurt 1960, Band 12, S. 25.
cite-note-5757. â Grawe, Christian: Struktur und Erzählform. In: Buddenbrooks-Handbuch, hrsg. von Gero von Wilpert und Ken Moulden. Stuttgart: KrĂśner 1988, S. 105
cite-note-5858. â Thomas Mann in den Betrachtungen eines Unpolitischen, siehe nachfolgendes Zitat
cite-note-5959. â Hans Wysling, Yvonne Schmidlin: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern. Artemis, ZĂźrich 1994, S. 120
cite-note-6060. â Thomas Mann in den Betrachtungen eines Unpolitischen, Gesammelte Werke, S. Fischer, Frankfurt/M. 1974, XII S. 79
cite-note-6161. â Gero von Wilpert: Das Bild der Gesellschaft. In: Buddenbrooks-Handbuch, hrsg. von Gero von Wilpert und Ken Molden, KrĂśner, Stuttgart 1988, S. 247.
cite-note-6262. â Buddenbrooks - Klarnamenverzeichnis. Abgerufen am 17. Mai 2025.
cite-note-6363. â Literaturlexikon Online: Lexikon. Abgerufen am 17. Mai 2025.
cite-note-6464. â Buddenbrooks, zweiter Teil, erstes Kapitel
cite-note-6565. â Buddenbrooks, achter Teil, sechstes Kapitel
cite-note-6666. â An dieser Stelle ist anzumerken, dass die Beschäftigung mit Richard Wagner im Leben des Autors selbst eine groĂe Rolle spielte. Vgl. Erika Mann (Hrsg.): Wagner und unsere Zeit. Aufsätze Betrachtungen Briefe. S. Fischer, Frankfurt am Main 1963.
cite-note-6767. â 1850: LĂźbecker Holstentor drohte der Abriss. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂźgbar) am 5. Mai 2017; abgerufen am 6. Mai 2017.
cite-note-6868. â B. Kenneth Beaton: Die Integrierung der Zeitgeschichte. In: Buddenbrooks-Handbuch, hrsg. von Ken Moulden und Gero von Wilpert, KrĂśner, Stuttgart 1988, S. 207.
cite-note-7070. â Manns Vorbild fĂźr Wulicke war der Direktor Julius Schubring
cite-note-7171. â Zu dieser Zeit schrieb die ärztliche Standesethik noch zwingend vor, eine schlechte Prognose dem Patienten nicht mitzuteilen. Einen Kranken Ăźber seinen baldigen Tod zu informieren, galt als Kunstfehler.
cite-note-7272. â Holger Pils: Die Buddenbrooks-Visionen der Magdalena MĂźller. Eine AuffĂźhrung im Buddenbrookhaus 1928. In: M. EickĂślter, H. Wisskirchen (Hrsg.): Buddenbrooks. Neue Blicke in ein altes Buch. Dräger, LĂźbeck 2000, S. 144â153.
cite-note-7373. â Anfang 2009 folgte auf der gleichen BĂźhne auch eine Realisierung von Manns Joseph und seine BrĂźder, sechs Stunden, ein Abend, wieder durch von DĂźffel adaptiert. Quelle: Thomas Mann fĂźrs Theater (Memento vom 8. Januar 2017 im Internet Archive). Deutschlandradio, 15. Februar 2009
cite-note-7474. â Sex, Drugs & Budd'n'Brooks â Internationales Sommerfestival Hamburg: Willige Boys backstage. In: nachtkritik.de. 5. August 2021, abgerufen am 10. Mai 2025.
cite-note-7575. â Katrin Nussmayr: So geht Theater nahe: Mit Strichern im Separee. In: diepresse.com. 20. Mai 2022, abgerufen am 9. Februar 2024.
cite-note-7676. â Petra Paterno: Nesterval im Rotlichtmilieu - Was geht, Schatzi? - Wiener Zeitung Online. In: tagblatt-wienerzeitung.at. 18. Mai 2022, abgerufen am 7. März 2024.
cite-note-7777. â Radio LOTTE Redaktion: Theater-Rezension | ÂťBuddenbrooks - Verfall einer FamilieÂŤ - DNT Weimar. Abgerufen am 1. November 2023.
cite-note-7878. â Die Deutsche BĂźhne: Kritik: Ludger Vollmer: Buddenbrooks | Kiel. Abgerufen am 8. Juni 2024 (deutsch).